{"id":10227,"date":"2016-01-04T14:13:04","date_gmt":"2016-01-04T13:13:04","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=10227"},"modified":"2016-01-04T14:13:04","modified_gmt":"2016-01-04T13:13:04","slug":"kontaktlose-bearbeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/technik-n-de\/technik\/kontaktlose-bearbeitung.html","title":{"rendered":"Kontaktlose Bearbeitung"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"contenu_article\"><strong>Eine per Laser ausgef\u00fchrte <\/strong>Gravur in Lalique-Kristall verziert eine Pendule von Parmigiani.<\/p>\n<p><strong>Die Indexe dieser Uhr von Greubel Forsey <\/strong>sind aus Nickel und werden durch galvanisches Wachstum auf einen Saphirring aufgetragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hinter dem Luxusimage der Uhren<\/strong> verbergen sich industrielle Produktionsprozesse. Auch wenn heute immer noch viele Arbeitsschritte von Hand erfolgen, werden die Uhren vom Rohmetall maschinell in ein Endprodukt verwandelt. Diese Maschinen stanzen, pr\u00e4gen, bohren, veredeln, formen und deformieren Materie je nach Funktion. Das ist zwar nicht glorreich, aber f\u00fcr den Preis, die Qualit\u00e4t und die Langlebigkeit einer Uhr unerl\u00e4sslich. Es ist das A und O. Wie in allen anderen Bereichen strebt man auch hier nach immer mehr Zuverl\u00e4ssigkeit, Schnelligkeit und Produktivit\u00e4t. Die CNC-Maschinen hielten in den 1990er- und 2000er-Jahren ihren Einzug in die Werkst\u00e4tten und l\u00f6sen nun eine zweite, deutlich diskretere Revolution aus: Sie haben keinen direkten Kontakt mehr mit dem Werkstoff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mikroelektrische S\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>Werkzeugmaschinen, Drehautomaten und Stanzen haben nicht nur Vorz\u00fcge. Der schlimmste Makel ist ihre Brutalit\u00e4t. Ein Schneidger\u00e4t greift das Material an und deformiert es. Es braucht Zeit, bis sich das Material wieder regeneriert. Um diese R\u00fcckformung zu beschleunigen, werden bestimmte Werkstoffe neu gebrannt, das heisst f\u00fcr eine schnellere Entspannung erhitzt. Anschliessend werden sie formgerecht gerichtet. Diese langwierigen Prozesse betreffen vor allem die Geh\u00e4use, d.h. massive, mit schwerem Gesch\u00fctz bearbeitete Teile. Der zweite Makel betrifft die Gr\u00f6sse der zu bearbeitenden Teile. Die Entwicklung ausgekl\u00fcgelter Komplikationen sowie das Bed\u00fcrfnis nach Zuverl\u00e4ssigkeit f\u00fchren dazu, dass die heikelsten Teile nicht gestanzt, sondern durch Elektroerosion mit einem Faden ausgeschnitten werden. Dabei handelt es sich um eine sehr d\u00fcnne S\u00e4ge, die elektrischen Strom statt einer Schneide verwendet. Doch auch dieses Verfahren hat seine physikalischen Grenzen. F\u00fcr besonders komplexe Teile verf\u00fcgt die Uhrmacherei deshalb \u00fcber drei neue Werkzeuge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Laserstrahl<\/strong><\/p>\n<p>Das Schneiden bleibt der bedeutendste Fertigungsschritt. F\u00fcr kontaktloses Schneiden eignet sich der Laser besonders gut. F\u00fcr kritische und zarte Teile wie Anker, Unruhen und Federn wird das Material vom Laser ohne Kontakt und Deformierung durchbohrt und abgegratet. Doch damit ist der Bearbeitungsprozess noch nicht abgeschlossen, denn das produzierte Teil muss auch noch geometrisch verfeinert werden. Bestimmte Ankerr\u00e4der haben von allen Seiten gefeilte Z\u00e4hne mit einem Spezialprofil. Um diese mikroskopisch kleinen und fragilen Zacken um ein Mikron anzufasen, ist ein Laser unerl\u00e4sslich. Ausserdem ist der Laser schnell und senkt die Herstellungszeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/45_innovation_fabriquer1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Leroy nutzt bei der Strutec-Hemmung <\/strong>den Laser zur Erreichung einer passgenauen Geometrie und einer gesteigerten Effizienz.<\/p>\n<p><strong>Ohne das f\u00fcr die Herstellung der Zahnung <\/strong>dieser durchsichtigen Saphirdrehscheibe verwendete LIGA-Verfahren g\u00e4be es die Rotonde de Cartier l\u2019Heure Myst\u00e9rieuse nicht.<\/p>\n<p><strong>Ein Anker von Laurent Ferrier:<\/strong> So zarte Formen und Volumen k\u00f6nnen nur aus Silizium geschnitten werden.<\/p>\n<p><strong>Die Chronergy-Hemmung <\/strong>von Rolex ist dank des LIGA-Verfahrens aus Nickel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Atomansammlung<\/strong><\/p>\n<p>Da manchmal geformt statt deformiert werden muss, kann Material auch angesammelt statt abgetragen werden. Das galvanische Wachstum f\u00fchrt zu einer Anh\u00e4ufung von Nickelatomen auf einer Basis und bildet ein Substrat in der gew\u00fcnschten Form. Die Teile werden auf atomarer Ebene bearbeitet, und da in dieser Gr\u00f6ssenordnung alles winzig ist und langsam geht, sind die Schichten nur je circa 0,1 mm dick. Sie werden vor allem auf Teile aus Saphir wie beispielsweise Zifferbl\u00e4tter f\u00fcr Beschriftungen und Indexe aufgetragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ionenkanone<\/strong><\/p>\n<p>LIGA ist ein sehr pr\u00e4zises und effizientes Verfahren, das aus den Labors f\u00fcr die Herstellung von Mikroprozessoren stammt und bei dem eine Form auf eine reine Siliziumplatte aufgezeichnet wird. Ein Plasmastrahl (eine Art Atomstrahl) ver\u00e4ndert die Struktur der gezeichneten Linie und hebt diese auf. Das Teil wird folglich wie durch eine tiefe Gravur ausgeschnitten und ist anschliessend sauber, glatt und perfekt. Mit dieser Technik k\u00f6nnen komplexe Formen und Volumen \u00fcbereinandergelagert werden. Auf diese Weise werden alle in einer Uhr verwendeten Siliziumteile angefertigt: Anker, Ankerr\u00e4der, Spiralen und Federn. Um die Vorteile von Silizium zu nutzen, darf es nicht ber\u00fchrt werden. Es ist br\u00fcchig und kann deshalb nur mit einem feinen Ionenstrahl bearbeitet werden.<\/p><\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Eine per Laser ausgef\u00fchrte <\/strong>Gravur in Lalique-Kristall verziert eine Pendule von Parmigiani.<\/p>\n<p><strong>Die Indexe dieser Uhr von Greubel Forsey <\/strong>sind aus Nickel und werden durch galvanisches Wachstum auf einen Saphirring aufgetragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Hinter dem Luxusimage der Uhren<\/strong> verbergen sich industrielle Produktionsprozesse. Auch wenn heute immer noch viele Arbeitsschritte von Hand erfolgen, werden die Uhren vom Rohmetall maschinell in ein Endprodukt verwandelt. Diese Maschinen stanzen, pr\u00e4gen, bohren, veredeln, formen und deformieren Materie je nach Funktion. Das ist zwar nicht glorreich, aber f\u00fcr den Preis, die Qualit\u00e4t und die Langlebigkeit einer Uhr unerl\u00e4sslich. Es ist das A und O. Wie in allen anderen Bereichen strebt man auch hier nach immer mehr Zuverl\u00e4ssigkeit, Schnelligkeit und Produktivit\u00e4t. Die CNC-Maschinen hielten in den 1990er- und 2000er-Jahren ihren Einzug in die Werkst\u00e4tten und l\u00f6sen nun eine zweite, deutlich diskretere Revolution aus: Sie haben keinen direkten Kontakt mehr mit dem Werkstoff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Mikroelektrische S\u00e4ge<\/strong><\/p>\n<p>Werkzeugmaschinen, Drehautomaten und Stanzen haben nicht nur Vorz\u00fcge. Der schlimmste Makel ist ihre Brutalit\u00e4t. Ein Schneidger\u00e4t greift das Material an und deformiert es. Es braucht Zeit, bis sich das Material wieder regeneriert. Um diese R\u00fcckformung zu beschleunigen, werden bestimmte Werkstoffe neu gebrannt, das heisst f\u00fcr eine schnellere Entspannung erhitzt. Anschliessend werden sie formgerecht gerichtet. Diese langwierigen Prozesse betreffen vor allem die Geh\u00e4use, d.h. massive, mit schwerem Gesch\u00fctz bearbeitete Teile. Der zweite Makel betrifft die Gr\u00f6sse der zu bearbeitenden Teile. Die Entwicklung ausgekl\u00fcgelter Komplikationen sowie das Bed\u00fcrfnis nach Zuverl\u00e4ssigkeit f\u00fchren dazu, dass die heikelsten Teile nicht gestanzt, sondern durch Elektroerosion mit einem Faden ausgeschnitten werden. Dabei handelt es sich um eine sehr d\u00fcnne S\u00e4ge, die elektrischen Strom statt einer Schneide verwendet. Doch auch dieses Verfahren hat seine physikalischen Grenzen. F\u00fcr besonders komplexe Teile verf\u00fcgt die Uhrmacherei deshalb \u00fcber drei neue Werkzeuge.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Laserstrahl<\/strong><\/p>\n<p>Das Schneiden bleibt der bedeutendste Fertigungsschritt. F\u00fcr kontaktloses Schneiden eignet sich der Laser besonders gut. F\u00fcr kritische und zarte Teile wie Anker, Unruhen und Federn wird das Material vom Laser ohne Kontakt und Deformierung durchbohrt und abgegratet. Doch damit ist der Bearbeitungsprozess noch nicht abgeschlossen, denn das produzierte Teil muss auch noch geometrisch verfeinert werden. Bestimmte Ankerr\u00e4der haben von allen Seiten gefeilte Z\u00e4hne mit einem Spezialprofil. Um diese mikroskopisch kleinen und fragilen Zacken um ein Mikron anzufasen, ist ein Laser unerl\u00e4sslich. Ausserdem ist der Laser schnell und senkt die Herstellungszeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/45_innovation_fabriquer1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Leroy nutzt bei der Strutec-Hemmung <\/strong>den Laser zur Erreichung einer passgenauen Geometrie und einer gesteigerten Effizienz.<\/p>\n<p><strong>Ohne das f\u00fcr die Herstellung der Zahnung <\/strong>dieser durchsichtigen Saphirdrehscheibe verwendete LIGA-Verfahren g\u00e4be es die Rotonde de Cartier l\u2019Heure Myst\u00e9rieuse nicht.<\/p>\n<p><strong>Ein Anker von Laurent Ferrier:<\/strong> So zarte Formen und Volumen k\u00f6nnen nur aus Silizium geschnitten werden.<\/p>\n<p><strong>Die Chronergy-Hemmung <\/strong>von Rolex ist dank des LIGA-Verfahrens aus Nickel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Atomansammlung<\/strong><\/p>\n<p>Da manchmal geformt statt deformiert werden muss, kann Material auch angesammelt statt abgetragen werden. Das galvanische Wachstum f\u00fchrt zu einer Anh\u00e4ufung von Nickelatomen auf einer Basis und bildet ein Substrat in der gew\u00fcnschten Form. Die Teile werden auf atomarer Ebene bearbeitet, und da in dieser Gr\u00f6ssenordnung alles winzig ist und langsam geht, sind die Schichten nur je circa 0,1 mm dick. Sie werden vor allem auf Teile aus Saphir wie beispielsweise Zifferbl\u00e4tter f\u00fcr Beschriftungen und Indexe aufgetragen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ionenkanone<\/strong><\/p>\n<p>LIGA ist ein sehr pr\u00e4zises und effizientes Verfahren, das aus den Labors f\u00fcr die Herstellung von Mikroprozessoren stammt und bei dem eine Form auf eine reine Siliziumplatte aufgezeichnet wird. Ein Plasmastrahl (eine Art Atomstrahl) ver\u00e4ndert die Struktur der gezeichneten Linie und hebt diese auf. Das Teil wird folglich wie durch eine tiefe Gravur ausgeschnitten und ist anschliessend sauber, glatt und perfekt. Mit dieser Technik k\u00f6nnen komplexe Formen und Volumen \u00fcbereinandergelagert werden. Auf diese Weise werden alle in einer Uhr verwendeten Siliziumteile angefertigt: Anker, Ankerr\u00e4der, Spiralen und Federn. Um die Vorteile von Silizium zu nutzen, darf es nicht ber\u00fchrt werden. 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