{"id":10534,"date":"2016-03-17T09:00:02","date_gmt":"2016-03-17T08:00:02","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=10534"},"modified":"2016-06-23T09:20:50","modified_gmt":"2016-06-23T07:20:50","slug":"doppelt-oder-gar-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/technik-n-de\/technik\/doppelt-oder-gar-nicht.html","title":{"rendered":"Doppelt oder gar nicht"},"content":{"rendered":"<div class=\"contenu_article\">\n<p><strong>Die ultrapr\u00e4zise RM031 Haute Performance<\/strong> setzt neben anderen innovativen L\u00f6sungen auch auf die Doppelspirale.<\/p>\n<p><strong>Die Millenary Quadriennium<\/strong> birgt eine Audemars-Piguet-Hemmung mit Doppelspirale.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Spirale reguliert gemeinsam mit der Unruh den Gang der Uhr. Mit dem Duo steht und f\u00e4llt die Pr\u00e4zision. Naturgem\u00e4ss reicht eine Spirale, und doch verwenden mehrere Marken zwei. Es geht dabei nicht um zwei getrennte Hemmungen wie bei Doppeltourbillons, sondern tats\u00e4chlich um zwei an die gleiche Unruh gekoppelte Spiralen. Warum? Weil eine mit zwei Spiralen versehene Hemmung einen regelm\u00e4ssigeren, stabileren und nachhaltigeren Gang garantiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stabilit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Vorteil dieser Doppelspirale sind besser zentrierte Schwingungen. Das scheint vielleicht ein Detail zu sein, ist aber grundlegend. Die Form der Spirale ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig. Sie \u00f6ffnet und schliesst sich je nach Unruhschwingung abwechselnd, wobei sich der Schwerpunkt verlagert. Er bewegt die Unruhachse in den Drehzapfen. Diese Reibung f\u00fchrt zu einem hohen Energieverlust, der den Uhrmachern seit Jahrhunderten Kopfzerbrechen bereitet. Sie kann durch zwei gegenphasig, d.h. in einem Winkel von 180\u00b0 zueinander montierte Spiralen verringert werden. Zieht sich die erste Spirale zusammen, entspannt sich die zweite. Verlagert sich der Schwerpunkt der ersten nach rechts, verlagert sich der der zweiten nach links. Die zwei Spiralen gleichen ihre Bewegungen kontinuierlich aus. Ergebnis? Deutlich geringere Reibung der Unruhachse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/46_innovation_spirale1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Galet Tourbillon von Laurent Ferrier<\/strong> nutzt zwei Spiralen f\u00fcr eine Rekordpr\u00e4zision.<\/p>\n<p><strong>Die Royal Oak<\/strong> Double Balancier Squelette pr\u00e4sentiert erstmals zwei gegenphasig auf der gleichen Achse montierte Unruhen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ausdauer<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Vorteil ist die Stosssicherungswirkung der beiden Spiralen. Ein Schlag von aussen bringt Spirale und Unruh aus dem Gleichgewicht, wobei sie schnell wieder zu einem regelm\u00e4ssigen Gang zur\u00fcckfinden m\u00fcssen. Diese R\u00fcckkehr zur richtigen Frequenz nennt man Regulierf\u00e4higkeit. Dank der Energie beider Spiralen findet die Unruh schneller zu einem regelm\u00e4ssigen Gang zur\u00fcck, was die Pr\u00e4zision weniger beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zwillingsfaktor<\/strong><\/p>\n<p>Diese Zeitmessfaktoren k\u00f6nnen nur unter einer Bedingung greifen: Beide Spiralen m\u00fcssen die gleichen Eigenschaften und mikrongenau die gleiche Form aufweisen, damit sie die Abweichungen der jeweils anderen Spirale ausgleichen k\u00f6nnen. H. Moser &amp; Cie. hat dieses Verfahren als erste Marke angewandt. Beide Spiralen stammen aus dem gleichen Guss, der gleichen Drahtspule, werden paarweise aufgerollt und gleichzeitig gebrannt \u2013 wie eineiige Zwillinge.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/46_innovation_spirale2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p><strong>Als Pionier der Doppelspirale verwendet<\/strong> H. Moser &amp; Cie. diese auch f\u00fcr sein Tourbillonwerk mit Automatikaufzug.<\/p>\n<p><strong>Neben Anker und Ankerrad aus Diamant kommt auch Leroy <\/strong>dank der auf die Fertigung von Hemmungen und Spiralen spezialisierten Tochtergesellschaft in den Genuss des Prinzips der Doppelspirale.<\/p>\n<p><strong>Unruh mit doppelter Siliziumspirale<\/strong> der Breguet Classique Chronom\u00e9trie 7727<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Beliebtheit<\/strong><\/p>\n<p>Die Idee wurde vor allem bei besonders komplexen Zeitmessern aufgegriffen. Leroy verwendet die Hemmungen der Tochtergesellschaft MHVJ, die Spiralen perfekt paarweise fertigen kann. Die Classique Chronom\u00e9trie von Breguet mit einer Frequenz von 10 Hz besitzt Siliziumhemmungen mit sehr komplexen Endkurven. Audemars Piguet ging f\u00fcr die neue Royal Oak Double Balancier sogar noch einen Schritt weiter und montierte zwei Unruhen mit je einer Spirale gegenphasig auf der gleichen Achse, wodurch die Vorteile der Doppelspirale ebenfalls genutzt werden k\u00f6nnen. Das gr\u00f6sste Problem ist dabei, zwei absolut identische Spiralen mit identischer Einstellung zu garantieren. Die Marke spricht von einem Pr\u00e4zisionsgewinn von rund 30% gegen\u00fcber einer klassischen Hemmung. Gewaltig! Das war sicherlich noch nicht das letzte Kapitel des doppelten Lottchens.<\/p>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Die ultrapr\u00e4zise RM031 Haute Performance<\/strong> setzt neben anderen innovativen L\u00f6sungen auch auf die Doppelspirale.<\/p>\n<p><strong>Die Millenary Quadriennium<\/strong> birgt eine Audemars-Piguet-Hemmung mit Doppelspirale.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Spirale reguliert gemeinsam mit der Unruh den Gang der Uhr. Mit dem Duo steht und f\u00e4llt die Pr\u00e4zision. Naturgem\u00e4ss reicht eine Spirale, und doch verwenden mehrere Marken zwei. Es geht dabei nicht um zwei getrennte Hemmungen wie bei Doppeltourbillons, sondern tats\u00e4chlich um zwei an die gleiche Unruh gekoppelte Spiralen. Warum? Weil eine mit zwei Spiralen versehene Hemmung einen regelm\u00e4ssigeren, stabileren und nachhaltigeren Gang garantiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Stabilit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Vorteil dieser Doppelspirale sind besser zentrierte Schwingungen. Das scheint vielleicht ein Detail zu sein, ist aber grundlegend. Die Form der Spirale ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig. Sie \u00f6ffnet und schliesst sich je nach Unruhschwingung abwechselnd, wobei sich der Schwerpunkt verlagert. Er bewegt die Unruhachse in den Drehzapfen. Diese Reibung f\u00fchrt zu einem hohen Energieverlust, der den Uhrmachern seit Jahrhunderten Kopfzerbrechen bereitet. Sie kann durch zwei gegenphasig, d.h. in einem Winkel von 180\u00b0 zueinander montierte Spiralen verringert werden. Zieht sich die erste Spirale zusammen, entspannt sich die zweite. Verlagert sich der Schwerpunkt der ersten nach rechts, verlagert sich der der zweiten nach links. Die zwei Spiralen gleichen ihre Bewegungen kontinuierlich aus. Ergebnis? Deutlich geringere Reibung der Unruhachse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/46_innovation_spirale1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Galet Tourbillon von Laurent Ferrier<\/strong> nutzt zwei Spiralen f\u00fcr eine Rekordpr\u00e4zision.<\/p>\n<p><strong>Die Royal Oak<\/strong> Double Balancier Squelette pr\u00e4sentiert erstmals zwei gegenphasig auf der gleichen Achse montierte Unruhen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ausdauer<\/strong><\/p>\n<p>Der zweite Vorteil ist die Stosssicherungswirkung der beiden Spiralen. Ein Schlag von aussen bringt Spirale und Unruh aus dem Gleichgewicht, wobei sie schnell wieder zu einem regelm\u00e4ssigen Gang zur\u00fcckfinden m\u00fcssen. Diese R\u00fcckkehr zur richtigen Frequenz nennt man Regulierf\u00e4higkeit. Dank der Energie beider Spiralen findet die Unruh schneller zu einem regelm\u00e4ssigen Gang zur\u00fcck, was die Pr\u00e4zision weniger beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zwillingsfaktor<\/strong><\/p>\n<p>Diese Zeitmessfaktoren k\u00f6nnen nur unter einer Bedingung greifen: Beide Spiralen m\u00fcssen die gleichen Eigenschaften und mikrongenau die gleiche Form aufweisen, damit sie die Abweichungen der jeweils anderen Spirale ausgleichen k\u00f6nnen. H. Moser &amp; Cie. hat dieses Verfahren als erste Marke angewandt. Beide Spiralen stammen aus dem gleichen Guss, der gleichen Drahtspule, werden paarweise aufgerollt und gleichzeitig gebrannt \u2013 wie eineiige Zwillinge.<\/p>\n<div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/46_innovation_spirale2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p><strong>Als Pionier der Doppelspirale verwendet<\/strong> H. 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Audemars Piguet ging f\u00fcr die neue Royal Oak Double Balancier sogar noch einen Schritt weiter und montierte zwei Unruhen mit je einer Spirale gegenphasig auf der gleichen Achse, wodurch die Vorteile der Doppelspirale ebenfalls genutzt werden k\u00f6nnen. Das gr\u00f6sste Problem ist dabei, zwei absolut identische Spiralen mit identischer Einstellung zu garantieren. Die Marke spricht von einem Pr\u00e4zisionsgewinn von rund 30% gegen\u00fcber einer klassischen Hemmung. Gewaltig! 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