{"id":19397,"date":"2016-10-25T07:00:14","date_gmt":"2016-10-25T05:00:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gmtmag.com\/?p=19397&#038;lang=de"},"modified":"2016-10-20T14:41:23","modified_gmt":"2016-10-20T12:41:23","slug":"lehre-von-der-asymmetrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/technik-n-de\/technik\/lehre-von-der-asymmetrie.html","title":{"rendered":"Lehre von der (A)Symmetrie"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Uhren wirken symmetrisch, sind es aber nie ganz. Leichte Verschiebungen und Rhythmusst\u00f6rungen verleihen ihnen Dynamik, manchmal sogar eine Identit\u00e4t.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-19383\" src=\"https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/GMT_n48_Fra_ipad-409.jpg\" alt=\"gmt_n48_fra_ipad-409\" width=\"275\" height=\"296\" srcset=\"https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/GMT_n48_Fra_ipad-409.jpg 564w, https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/GMT_n48_Fra_ipad-409-279x300.jpg 279w\" sizes=\"(max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/>Die Symmetrie ist die offensichtlichste Art und Weise, einem Objekt eine \u00e4sthetische Ordnung zu verleihen. Die besondere Sensibilit\u00e4t unseres Gehirns f\u00fcr den goldenen Schnitt in der Natur zeigt, dass unser Gehirn instinktiv darauf reagiert. Die absolute Symmetrie ist jedoch unendlich langweilig, weil sie keine Innendynamik aufweist. Die gr\u00f6ssten klassischen Werke zeigen sie deshalb nur im Ansatz. Nehmen wir das Parthenon in Athen: Es scheint, als ob alle Stufen und S\u00e4ulen parallel w\u00e4ren, und doch sind sie geschwungen und konvergent. Die alten Griechen hatten bereits verstanden, dass die Perspektive unsere Wahrnehmung stark beeinflusst und den Objekten mehr Sinn und Kraft verleiht. Die absolute Symmetrie hat in der Uhrmacherei keine Daseinsberechtigung. Folglich gilt es, sie zu ver\u00e4ndern und an die Gesetze des visuellen Gleichgewichts anzupassen.<\/p>\n<h2>Rhythmuswechsel<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft wp-image-19386\" src=\"https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/GMT_n48_Fra_ipad-412.jpg\" alt=\"gmt_n48_fra_ipad-412\" width=\"275\" height=\"408\" srcset=\"https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/GMT_n48_Fra_ipad-412.jpg 401w, https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/GMT_n48_Fra_ipad-412-202x300.jpg 202w\" sizes=\"(max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/>Es gibt viele Arten, die Monotonie der exakten Symmetrie zu brechen. Breguet brach den Rechts-Links-Rhythmus durch die Positionierung der kleinen Sekunde seiner Classique 7147 bei 5:30 Uhr. Sie wirkt wie eine St\u00fctze des ganzen Ensembles. Die scheinbar perfekt symmetrischen Zifferbl\u00e4tter von Arnold &amp; Son sind wie bei der Instrument DTE leicht verzerrt. Seine zwei Tourbillons stehen sich gegen\u00fcber, die Genfer Streifen teilen exakt das Zifferblatt, aber die zwei Kronen sind auf 2 und 7 Uhr verschoben. Longines dreht das ganze Geh\u00e4use der Avigation Watch Type A-7 um 60\u00b0, damit die Uhr auch vertikal, d.h. in der nat\u00fcrlichen Haltung des Handgelenks, gut gelesen werden kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unterzifferbl\u00e4tter und Z\u00e4hler sind grundlegende Referenzen, die das Zifferblatt animieren m\u00fcssen. Mit den vier traditionellen Angaben in allen vier Himmelsrichtungen k\u00f6nnte der ewige Kalender langweilig scheinen. Zum Gl\u00fcck wartet die Mondphase mit einer farbigen Sichel und somit mit etwas Trubel auf. Der Kalender der 6300 Grandmaster Chime von Patek Philippe ist mit seiner zweiachsigen Spiegelung folglich eine Ausnahme.<\/p>\n<h2>Fluchtlinien<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-19390\" src=\"https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/GMT_n48_Fra_ipad-411.jpg\" alt=\"gmt_n48_fra_ipad-411\" width=\"275\" height=\"432\" srcset=\"https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/GMT_n48_Fra_ipad-411.jpg 369w, https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/GMT_n48_Fra_ipad-411-191x300.jpg 191w\" sizes=\"(max-width: 275px) 100vw, 275px\" \/>Beim Uhrendesign kommt es nicht auf die Spiegelung, sondern auf ausgeglichene Massen an. Aus genau diesem Grund funktioniert die kleine Sekunde bei 6 Uhr so gut: Sie bildet das Gegenst\u00fcck zum Markennamen bei 12 Uhr. Diesem Prinzip folgt auch die Hora Domus von Bulgari. Alle sechs Fenster scheinen gespiegelt, und doch sind ihre Formen und Farben unterschiedlich. Das verwirrt das Auge gerade ausreichend genug, um zu gefallen. Diese Ausgewogenheit erkl\u00e4rt auch die so besondere Aufteilung der Lange 1: All ihre Anzeigen befinden sich auf sekund\u00e4ren Symmetrieachsen. Bestimmte Versetzungen entsprechen ergonomischen Bed\u00fcrfnissen. Die M\u00e9tiers d\u2019Art Elegance Sartoriale von Vacheron Constantin ist absichtlich rechts zentriert, um unter dem Hemds\u00e4rmelrand besser lesbar zu sein. Die f\u00fcr Taucheruhren typischen, auf 5 Uhr verschobenen Kronen sch\u00fctzen das Handgelenk vor Reibungen durch den Aufzug. Die Recital 18 von Bovet ist bei 12 Uhr dicker als bei 6 Uhr, um das Werk in den Augen des Betrachters mit einem bestimmten, die Uhr besonders h\u00fcbsch zur Geltung bringenden Neigungswinkel wie in einem Schaufenster wirken zu lassen. Bei der RM 59-01 von Richard Mille ist das Geh\u00e4use an einer Seite dicker als an der anderen: Vielleicht weil ihr der Sprinter Yohan Blake Pate stand und um beim 100-Meter-Lauf noch aerodynamischer zu sein?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Uhren wirken symmetrisch, sind es aber nie ganz. 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