{"id":21127,"date":"2017-01-18T14:59:04","date_gmt":"2017-01-18T12:59:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gmtmag.com?p=21127"},"modified":"2017-01-18T15:01:20","modified_gmt":"2017-01-18T13:01:20","slug":"entre-deux-eaux","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/technik-n-de\/technik\/entre-deux-eaux.html","title":{"rendered":"Schwerelos"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eine ganze Generation von Werken ist frei schwebend im Raum in den Zustand der Schwerelosigkeit eingetreten \u2013 scheint es zumindest. Illusion, Zauber, Spiel der Transparenz: Was ist der Trick?<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie bei jedem guten Zaubertrick ist die Illusion perfekt und verbl\u00fcfft. Ein mitten im Geh\u00e4use der Uhr schwebendes und um das Geheimnis noch zu steigern fast transparentes Werk. Zauberei ist immer auf Tricks, Dr\u00e4hte und Erfahrung zur\u00fcckzuf\u00fchren. Das gilt f\u00fcr die Uhrmacherei wie auch auf der B\u00fchne. Die f\u00fcr diese herrlichen Kunstst\u00fccke verantwortlichen Zauberer nutzen ihr technisches und teilweise auch historisches Know-how, um der Mechanik das Schweben zu lehren.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">ILLUSION<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eskamoteure verwenden geheime Tafeln, Klappen und Ablenkungsman\u00f6ver, um die Sinne der Zuschauer zu t\u00e4uschen. Der Rohstoff des Uhrmachers ist Saphir. Nicht der blaue oder rosafarbene Stein, den der Juwelier verwendet, sondern ein perfekt durchsichtiger Synthesesaphir. Aus ihm macht man kratzfeste Gl\u00e4ser, und er wird in Uhren zu Platinen und Br\u00fccken \u2013 kurz und gut, zu einer fast unsichtbaren Struktur, die die gleichen Aufgaben \u00fcbernimmt wie Stahl oder Messing. Blancpain hat das Chassis des L-Evolution Carrousel Volant Saphir daraus gefertigt, gleichzeitig aber durch eine Metallisierung des Uhrglases auf absolute Transparenz verzichtet, um die Lesbarkeit zu steigern. Corum z\u00f6gerte nicht. Platine und Br\u00fccken des Tourbillon Panoramique waren unsichtbar, k\u00f6nnen aber noch erahnt werden, weil sie nebeneinander liegen. Es musste bis zur R\u00fcckkehr des historischen Spezialisten dieser Illusion gewartet werden, damit der Zauber auch wirklich wirkte.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\">GEHEIMNIS<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Houdini heisst Cartier. In den 1920er-Jahren hatte die Marke bereits die sogenannten geheimnisvollen Pendulen lanciert, deren Zeiger frei im Raum zu schweben schienen. In Wahrheit waren sie auf Bergkristallkreisen montiert und wurden von einem im Pendulenkorpus verstecken Mechanismus angetrieben. 2013 griff Cartier dieses Konzept erneut auf und passte es ans Handgelenk an. Die Illusion hat sich seitdem stetig verbessert. Die j\u00fcngste Ausf\u00fchrung heisst Rotonde de Cartier Astromyst\u00e9rieux. Ihr ganzes Werk scheint mitten im Herzen der Uhr zwischen zwei Luftschichten gebettet. Selbst wenn man den Trick kennt, fragt man sich, wie so etwas funktionieren kann. Der Fakir arbeitet am liebsten mit Dr\u00e4hten. Richard Mille hat sich davon inspirieren lassen. Die RM 27-01 hatte Leichtigkeit und extreme Stosssicherheit als oberstes Ziel und beschritt doch neue Wege. Ihr Werk ist mit einem System aus Dr\u00e4hten (0,35 mm Durchmesser), Flaschenz\u00fcgen und Spannvorrichtungen im Geh\u00e4use verankert. H\u00e4tte man die versteckt, w\u00fcrde das Kaliber auch frei schweben.<\/p>\n<h2>TROMPE-L\u2019OEIL<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt noch eine auf den ersten Blick einfache, aber sehr schwer umsetzbare Methode: der Leere viel Platz einr\u00e4umen. Das setzt nat\u00fcrlich Werke mit speziellen Strukturen voraus. Das Baguette- Kaliber der Golden Bridge von Corum ist so schmal, dass man es an beiden Enden eines Geh\u00e4uses befestigen und so den Eindruck der Schwerelosigkeit erwecken kann. Eine andere Alternative ist das fast vollst\u00e4ndig skelettierte Werk wie beim Tourbillon Volant Poin\u00e7on de Gen\u00e8ve von Louis Vuitton. Die Struktur des Kalibers ist zart und hinter dem Zifferblatt sowie dem Tourbillon versteckt. Freies Schweben dank dem geschickten Einsatz traditioneller, aber nicht minder verbl\u00fcffender Methoden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine ganze Generation von Werken ist frei schwebend im Raum in den Zustand der Schwerelosigkeit eingetreten \u2013 scheint es zumindest. 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