{"id":22276,"date":"2017-02-27T09:00:38","date_gmt":"2017-02-27T07:00:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gmtmag.com?p=22276"},"modified":"2017-02-23T10:50:31","modified_gmt":"2017-02-23T08:50:31","slug":"jean-claude-biver-ceo-von-tag-heuer-direktor-der-uhrensparte-von-lvmh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/business-n-de\/interview-3\/jean-claude-biver-ceo-von-tag-heuer-direktor-der-uhrensparte-von-lvmh.html","title":{"rendered":"Jean-Claude Biver CEO, von Tag Heuer, Direktor der uhrensparte von LVMH"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>\u00abTAG Heuer revolutioniert in K\u00fcrze 400 Jahre Uhrmachergeschichte.\u00bb<\/strong><\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Welche Bilanz ziehen Sie 2016 f\u00fcr Hublot, TAG Heuer und Zenith?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bilanz ist insgesamt ausgezeichnet, denn wir haben im Vergleich zum Vorjahr um 5-6% zugelegt, w\u00e4hrend die Uhrenindustrie \u00fcber den gleichen Zeitraum um etwa 10% abrutschte. Das ist bemerkenswert und bedeutet, dass wir 15% Marktanteile gewonnen haben. Ich habe schon immer einen Unterschied zwischen Wachstum und Gewinnung von Marktanteilen gegen\u00fcber der Konkurrenz gemacht. Aufgrund der derzeit angespannten Konjunktur muss man sich auf Marktanteile konzentrieren. Wenn man ein Fahrradrennen als Metapher nimmt, dann bedeutet dies, dass man beim Aufstieg in die Alpen schneller in die Pedale treten muss, um sich vom Feld abzusetzen. Nat\u00fcrlich kommt man weniger schnell vorw\u00e4rts als auf gerader Strecke, aber Hauptsache, man l\u00e4sst die Konkurrenz hinter sich. Ausserdem m\u00f6chte ich hervorheben, dass TAG Heuer wahrscheinlich das beste Jahr aller Zeiten erlebte. Seit 1860 verzeichnete TAG Heuer bereits viele tolle Ergebnisse, doch angesichts der derzeit schwierigen Situation ist es herausragend, ausgerechnet jetzt das beste Jahr seit Gr\u00fcndung der Marke zu erzielen! Bei Hublot war dieses Jahr ebenso gut wie das letzte, und die Marke w\u00e4chst seit 2004 ununterbrochen. Das ist genial! Zenith folgt hingegen dem allgemeinen Trend der Uhrmacherei. Das ist auch nur logisch, denn die Marke weist die gleiche \u00fcbertriebene Abh\u00e4ngigkeit von China auf wie der Rest der Uhrenindustrie. Zenith erzielte mehr als die H\u00e4lfte des Umsatzes in China. Dabei handelte es sich gr\u00f6sstenteils um Golduhren, die jetzt aufgrund der Korruption in Verruf geraten sind. Die Marke verzeichnet folglich einen R\u00fcckgang bez\u00fcglich St\u00fcckzahlen und Wert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Welche Highlights erwarten Sie f\u00fcr 2017?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei TAG Heuer sind das chinesische Raumfahrtprogramm und das Comeback der Marke im Radrennsport, aus dem sie sich Ende der 1980er-Jahre zur\u00fcckgezogen hatte, von grosser Bedeutung. Unsere Partnerschaft mit BMC garantiert uns vor allem eine starke Pr\u00e4senz an der Tour de France. Neben den \u00fcblichen Veranstaltungen, an denen Hublot mitwirkt, bildet der 70. Geburtstag von Ferrari ein spezielles Highlight. Dank einer engen und intensiven Zusammenarbeit werden rund 100 Events rund um die Welt stattfinden. Bei Zenith bilden die eigentliche Lancierung der Partnerschaft mit Range Rover sowie die Zusammenarbeit mit Kevin Spacey als neuem Markenbotschafter die H\u00f6hepunkte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Worin besteht Ihre Partnerschaft mit dem chinesischen Raumfahrtprogramm?<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">China und seine Armee haben ein ehrgeiziges Raumfahrtprogramm lanciert, an dem TAG Heuer mitwirkt. Die Uhren im Kontrollraum, die unter anderem auch den Countdown angeben, stammen von TAG Heuer. Die Direktoren des chinesischen Raumfahrtprogramms werden an gemeinsam organisierten Veranstaltungen teilnehmen und wir werden im Gegenzug bei bestimmten Feierlichkeiten mitwirken k\u00f6nnen. Wir verf\u00fcgen auch \u00fcber alle Mond- und Marsfahrzeugmodelle, die wir in unseren Boutiquen ausstellen k\u00f6nnen. Selbstverst\u00e4ndlich werden wir auch gemeinsam mit der China National Space Agency eine spezielle Uhr entwickeln.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Welchen Herausforderungen stellt sich TAG Heuer in den kommenden Jahren?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einerseits wird es im Bereich der mechanischen Uhren eine Revolution geben und andererseits setzen wir den Technologietransfer bei der Smartwatch fort. Ab 2017 werden rund 50 Mitarbeiter intern Mikroprozessoren in Uhren integrieren. Es handelt sich um die erste Schweizer Mikroprozessormontagelinie f\u00fcr die Telekommunikationsindustrie. Diese wird sich in einem Reinraum bei TAG Heuer in La Chaux-de-Fonds befinden, wo zw\u00f6lf Intel-Ingenieure bereits die Anlagen einrichten und unsere Teams schulen. Im Silicon Valley werden wir gleichzeitig bei Intel in Santa Clara ein Forschungszentrum er\u00f6ffnen, in dem ein Dutzend Ingenieure an Forschungs- und Entwicklungsprojekten f\u00fcr vernetzte Gegenst\u00e4nde arbeiten werden. Im Bereich der Mechanikuhren revolutioniert TAG Heuer in K\u00fcrze 400 Jahre Uhrmachergeschichte durch eine fundamentale Innovation, vor allem auf dem Gebiet der Metallurgie. Diese absolut bahnbrechende technologische Neuerung wird als neuer Meilenstein in die Uhrmachergeschichte eingehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Ist es heute noch vorteilhaft, Teil einer Gruppe zu sein?<\/strong> <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch wenn uns die Unabh\u00e4ngigkeit jeder Marke wichtig ist, bietet mir die gleichzeitige Leitung der drei Marken die M\u00f6glichkeit, Synergien auf verschiedenen Ebenen zu nutzen. Schliesslich ist Hublot eine Manufaktur, die pro Jahr nicht nur 20 000 Werke selbst herstellt, sondern ebenso viele kauft und gleichzeitig noch Geh\u00e4use baut und eigene Legierungen zusammenstellt. Zenith ist nat\u00fcrlich eine historisch gewachsene Manufaktur und TAG Heuer fertigt n\u00e4chstes Jahr 120 000 Mechanikwerke, 300 000 Geh\u00e4use und 500 000 Zifferbl\u00e4tter. Mit drei so hochwertigen, umfassenden und kompetenten Produktionseinheiten sind kolossale Synergien m\u00f6glich! Wir k\u00f6nnten auch die Forschung und Entwicklung gemeinsam nutzen wie beispielsweise die Ergebnisse des genialen Metallurgielabors von Hublot. Im Vertrieb k\u00f6nnen zwei starke Marken der schw\u00e4cheren dritten unter die Arme greifen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em><strong>Die Uhrmacherei bekommt auch aus anderen Luxusbereichen durch ver\u00e4ndertes Konsumentenverhalten Konkurrenz. Wie kann sie weiter \u00fcberzeugen?<\/strong><\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Antwort ist einfach: Die Uhrmacherei muss sich auf das ver\u00e4nderte Kundenverhalten einstellen. Diese Ver\u00e4nderung ist grundlegend und radikal. F\u00fcr Marken, die hier den Zug verpassen, wird es fatal enden. Der neue Konsument ist um die 20 und weder sein Lebensstil noch seine Gewohnheiten entsprechen dem, was wir heute kennen. Die Kinder treten nicht mehr in die Fussstapfen ihrer Eltern und betonen ihre Andersartigkeit viel st\u00e4rker als fr\u00fcher. Sie machen beispielsweise keinen F\u00fchrerschein mehr. Ihr Verst\u00e4ndnis von Luxus ist grundlegend anders. Alles, was in der Vergangenheit als stark und stabil galt, ist heute instabil geworden. Der Wandel ist radikal und muss unbedingt mitverfolgt und verstanden werden, um mitzuziehen. Nehmen wir das Beispiel eines 18-J\u00e4hrigen, der 500 Franken f\u00fcr ein Paar Adidas oder Nike ausgibt. Was kauft er mit 38? Marken, die hier nicht mithalten k\u00f6nnen, werden auf Grundeis gehen. Das sieht man heute schon in China, wo TAG und Hublot Produkte anboten, die nicht mehr dem entsprachen, was die eher auf elegante klassische Uhren ausgerichteten chinesischen Kunden von heute unter Luxus verstehen. F\u00fcr Chinesen ist ein Chronograph kein Luxusobjekt und daran k\u00f6nnen auch unsere Marketinginvestitionen nichts \u00e4ndern. Da musste erst der chinesische Staat eingreifen und den grossen Unternehmen vorschreiben, in den Sport zu investieren, vor allem in den Fussball. Alibaba-Chef Jack Ma kaufte deshalb 51% des Fussballclubs Guangzhou Evergrande, der die chinesische Liga gewann. Der Club in Beijing wurde im gleichen Zeitraum von einem anderen Milliard\u00e4r gekauft. Jack Ma baute ein Dorf mit 3000 Wohnungen und 30 Fussballpl\u00e4tzen, um dort die gr\u00f6sste Fussballschule der Welt aus dem Boden zu stampfen. Die Transfersummen der Spieler in China z\u00e4hlen mittlerweile zu den weltweit h\u00f6chsten im Fussballsport! Der Sport ist in eine neue Dimension eingetreten und die neue Generation investiert in sportverbundene Objekte, darunter auch Uhren. Diese Generation interessiert sich nun f\u00fcr Hublot und TAG Heuer und nicht mehr f\u00fcr die zarten flachen Uhren, die ihre Eltern bevorzugten. Nur wer sich anzupassen weiss, wird \u00fcberleben!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abTAG Heuer revolutioniert in K\u00fcrze 400 Jahre Uhrmachergeschichte.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":22270,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22276"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=22276"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22276\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":22277,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/22276\/revisions\/22277"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/22270"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=22276"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=22276"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=22276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}