{"id":31636,"date":"2018-11-20T12:22:40","date_gmt":"2018-11-20T10:22:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gmtmag.com\/?p=31636"},"modified":"2018-11-20T12:22:40","modified_gmt":"2018-11-20T10:22:40","slug":"anita-porchet-die-tochter-des-feuers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/lady-de-2\/anita-porchet-die-tochter-des-feuers.html","title":{"rendered":"Anita Porchet, die Tochter des Feuers"},"content":{"rendered":"<p>Hunderte von Flakons voller bunter Glassteine stehen auf den Regalen dicht beieinander. Namen wie Memphis- und Alexandrablau, Otter- und Vampirgrau, opalisierendes Rot oder Heckenrose zeugen von den vielen Nuancen, die sich auf Anita Porchets Palette wiederfinden. Ihr Schreibtisch verschwindet unter Holzschatullen mit alten, zu Pulver gewordenen Emails unter winzigen Paletten mit Farbvariationen, unfassbar feinen Pinseln und einem M\u00f6rser aus Achat. Ganz hinten steht ein Brennofen, und jenseits der Glasfront rollen endlose Felder ihren gr\u00fcnen Teppich aus. In der vollkommenen Stille ihres Ateliers umgibt sich Anita Porchet nur mit dem Notwendigsten. Keine Maschine, kein Computer, gerade mal ein Binokularmikroskop, mit dem sie ihre Handgriffe verfolgen kann. Gelernt hat sie diese bei den Gr\u00f6ssten ihres Fachs: Elisabeth Juillerat und Suzanne Rohr. Sie haben ihr gezeigt, wie man das Glas meistert, und sie in die Geheimnisse des Feuers eingeweiht. Sensibilit\u00e4t und Erfahrung taten ihr \u00dcbriges. \u00abDas nennt man Know-how\u00bb, betont die Emailleurin, \u00abund um sich das zu erarbeiten, braucht man Zeit.\u00bb Die ersten emaillierten Uhren von Anita Porchet gehen auf die Mitte der 90er-Jahre zur\u00fcck. Damals verwirklichte sie im Auftrag von Patek Philippe ihre ersten Zifferbl\u00e4tter. Viele andere prestigetr\u00e4chtige H\u00e4user folgten. Ihre H\u00e4nde wurden geschickter, das Auge wurde sch\u00e4rfer. So sehr, dass ihre Signatur im Laufe der Jahre nicht mehr wegzudenken war. Aus der Begegnung des Feuers mit dem opaken, pulverisierten und mit \u00d6l vermischten Glas gehen fabelhafte Miniaturmalereien, Nachbildungen von Meisterwerken oder eigene Kreationen der Handwerksk\u00fcnstlerin hervor. Wenn die Hitze auf die Goldplatte einwirkt, deren Vertiefungen mit aufgeschmolzenen Emailschichten gef\u00fcllt sind, treten grazile, nach der Grubenschmelztechnik aufgetragene Motive ans Licht. Anita Porchet beherrscht auch die Paillonn\u00e9-Technik, bei der mikroskopisch kleine Goldbl\u00e4ttchen ins Email eingebettet werden. Und nat\u00fcrlich das Zellenschmelzverfahren, bei dem die Konturen eines Motivs durch einen Golddraht gebildet werden, der feiner ist als ein Haar. Zun\u00e4chst wird das Email von Hand in einem Achatm\u00f6rser zu Pulver zerstossen, dann wird das Zifferblatt damit \u00fcberzogen und im Ofen gebrannt. \u00abIn all den Jahren habe ich gelernt zu h\u00f6ren, ob die K\u00f6rner fein genug sind\u00bb, erkl\u00e4rt Anita Porchet. \u00abDas gilt auch f\u00fcr den Ofen. Jeder Vorgang dauert zwischen 30 und 90 Sekunden und ben\u00f6tigt eine Temperatur von 800 \u00b0C.\u00bb Nur die Erfahrung erlaubt es, die perfekte Dauer einzusch\u00e4tzen. Dies ist eine Geschichte von Zeit und Erfahrung, die Quintessenz der Handwerkskunst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hunderte von Flakons voller bunter Glassteine stehen auf den Regalen dicht beieinander. Namen wie Memphis- [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":15,"featured_media":31631,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1676],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31636"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/15"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=31636"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31636\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31637,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/31636\/revisions\/31637"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/31631"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=31636"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=31636"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=31636"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}