{"id":34326,"date":"2019-10-22T16:24:32","date_gmt":"2019-10-22T14:24:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gmtmag.com\/?p=34326"},"modified":"2019-10-22T16:28:04","modified_gmt":"2019-10-22T14:28:04","slug":"thierry-stern-ceo-patek-philippe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/business-n-de\/interview-3\/thierry-stern-ceo-patek-philippe.html","title":{"rendered":"Thierry Stern &#8211; CEO, Patek Philippe"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #33cccc;\"><em>\u00abIn unserer neuen, 100 000 m2 grossen Manufaktur ist ein ganzes Stockwerk der Ausbildung gewidmet.\u00bb<\/em><\/span><\/h3>\n<p><strong>Seit 2012 konnte Ihre Ausstellung Watch Art Grand Exhibition schon in Dubai, Mu\u0308nchen, London, New York und in diesem Jahr in Singapur bewundert werden. Konnten Sie die Auswirkungen auf die \u00d6ffentlichkeit spu\u0308ren?<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ziehen diese Ausstellungen zwei wesentliche Effekte nach sich. Es ist erw\u00e4hnenswert, dass sie sich weiterentwickelt haben und dass fu\u0308r jede von ihnen eine Sonderserie herausgegeben wurde. Die Singapur-Auflage betrifft sieben L\u00e4nder der Region, die sie besonders wertsch\u00e4tzen und die den Werten eines Familienunternehmens grosse Bedeutung beimessen. Wir haben gemerkt, dass die Watch Art Grand Exhibition sowohl Sammler als auch Laien anspricht, die aus Neugierde oder aufgrund der Sch\u00f6nheit der ausgestellten Stu\u0308cke angezogen werden. Danach sieht die breite \u00d6ffentlichkeit nicht mehr nur zwei Zeiger auf einem Zifferblatt, sondern versteht die Marke, die Geschichte, die Qualit\u00e4t, das Werk und die Arbeit, die hinter einer Uhr hoher Uhrmacherkunst steckt. Diese neuen, potenziellen Kunden glauben an die Marke Patek Philippe, deren Image gest\u00e4rkt wird. Aber von dieser Sensibilisierung fu\u0308r unsere Berufe profitiert die gesamte Uhrmacherei. Darunter sind auch Jugendliche und Frauen, die die Technik oder die \u00c4sthetik wu\u0308rdigen. \u00dcbrigens k\u00f6nnen wir fu\u0308r mindestens zwei Jahre nach jeder Ausstellung ganz konkret eine steigende Nachfrage bei den Einzelh\u00e4ndlern der jeweiligen Region messen.<\/p>\n<p><strong>Sie beziehen nach und nach ihre neue, 100 000 m2 grosse Manufaktur. Was wird sie Ihnen erm\u00f6glichen?<\/strong><\/p>\n<p>Eine Steigerung der Produktionsmengen? Das steht bei uns nicht an erster Stelle, denn die Patek-Philippe-Qualit\u00e4t ist nicht mit grossen Mengen vereinbar. Dieses Bauwerk war schon seit Jahren in Planung, denn wir m\u00f6chten alle T\u00e4tigkeitsbereiche wieder unter einem Dach vereinen. Das Geb\u00e4ude in Perly war langsam u\u0308berlastet und alt. Das gleiche gilt fu\u0308r das, das wir von unseren Nachbarn in Plan-les-Ouates u\u0308bernommen haben. Und es wurde anstelle von fu\u0308nf w\u00e4hrend zehn Jahren genutzt. Wir haben sowohl in die Langlebigkeit von Patek Philippe als auch in den Komfort sowie die Sicherheit unserer Mitarbeiter investiert. Sie verfu\u0308gen u\u0308ber mehr Platz und leisere R\u00e4ume. Wir haben nicht nur alle Berufe und u\u0308ber 1600 Mitarbeiter vereint und dabei unsere Effizienz gesteigert, sondern auch die Zukunft von Patek Philippe gesichert, indem wir die Kundendienstkapazit\u00e4ten erh\u00f6ht und eine ganze Etage fu\u0308r die Ausbildung vorgesehen haben. Davon profitieren die Uhrmacher, aber auch die Aussendienstmitarbeiter und Einzelh\u00e4ndler sowie die Emailleure, Graveure, Regleure usw. Die Forschung und Entwicklung ben\u00f6tigt ebenfalls viel Platz. Jeder Bereich verfu\u0308gt u\u0308ber eine Ausbaureserve. Natu\u0308rlich werden die Prozesse optimiert, und das bringt uns hinsichtlich der Produktion auch weiter, aber wir erw\u00e4gen kein Wachstum von u\u0308ber 2-3 % im Jahr. Patek Philippe wird mehr kompliziertere Produkte anbieten, da unsere Kunden von sch\u00f6nen und nu\u0308tzlichen Komplikationen u\u0308berrascht werden m\u00f6chten.<\/p>\n<h3><span style=\"color: #33cccc;\"><em>\u00abAls ich die langfristige Vision von Luc Pettavino begriff, spu\u0308rte ich die Motivation, ein Programm mit Einzelstu\u0308cken aufzubauen, das nach und nach an Bedeutung gewinnt.\u00bb<\/em><\/span><\/h3>\n<p><strong>Welche Modelle wu\u0308rden Sie Kunden empfehlen, die nicht jahrelang auf eine Nautilus warten m\u00f6chten?<\/strong><\/p>\n<p>Glu\u0308cklicherweise gibt es das Ph\u00e4nomen \u00abWarteliste\u00bb nur bei der Nautilus. Dabei hatte sie am Anfang u\u0308berhaupt keinen Erfolg! Bei den einfachen Uhren finde ich fu\u0308r Urlaub und Sport oder sogar zu einem Anzug das Basismodell der Aquanaut sehr angenehm. Selbstverst\u00e4ndlich brauchen alle Neuheiten in den ersten beiden Jahren etwas Geduld. Was die komplexeren Uhren angeht, finde ich, dass die Jahreskalender sehr sch\u00f6n sind und u\u0308ber vernu\u0308nftige Preise sowie nu\u0308tzliche Funktionen verfu\u0308gen. Ich empfehle insbesondere die 5205 mit durchbrochenen H\u00f6rnern und die QP 5320 mit Vintage-Touch, die in meinen Augen eine perfekte Verk\u00f6rperung der Marke ist. Sie ist die Quintessenz der Patek-Uhr aus meiner Kindheit: der Uhr, die mein Vater geschaffen und die ich aktualisiert habe.<\/p>\n<p><strong>Auf welche Neuheit 2019 sind Sie besonders stolz?<\/strong><\/p>\n<p>Meine Rolle besteht darin, Neues anzubieten. Im Leben muss man Wagnisse eingehen k\u00f6nnen \u2013 unter Beru\u0308cksichtigung der Gestaltungscodes natu\u0308rlich. Mein Vater und das ganze Team hier haben mich gut ausgebildet. Wenn ich eine Neuheit sch\u00e4tze, die v\u00f6llig neue Wege geht, ist es immer noch eine Patek, denn ich selbst bin auch ein Patek-Erzeugnis. H\u00e4tte ich auf interne Gremien und nicht auf meine eigene Intuition geh\u00f6rt, h\u00e4tten wir nie den Wochenkalender 5212A herausgegeben, der sofort auf positive Resonanz stiess. Es tut mir nur leid, dass man etwas lange auf ihn warten muss, auch wenn davon mehr Exemplare gefertigt werden als von der Nautilus. Dasselbe gilt fu\u0308r die anspruchsvolle Alarm Travel Time 5520P mit vier Kronen, deren vier Patente belegen, dass ihre Herstellung wesentlich aufwendiger ist als die einer Minutenrepetition! In einem v\u00f6llig anderen Register freue ich mich sehr u\u0308ber unsere neue Twenty~4 Automatik, deren Schaffensprozess extrem schwierig war.<\/p>\n<p><strong>Verzeichnet die Damenkollektion Komplizierte Uhren, die im vergangenen Jahr durch den Chronographen mit Handaufzug 7150\/250R bereichert wurde, den erwarteten Erfolg?<\/strong><\/p>\n<p>So ist es. Damenuhren entsprachen immer 30 % des Umsatzes. Diese Zahl nimmt jetzt etwas zu. Ich wu\u0308rde gerne 40 % erreichen, denn viele Damen interessieren sich fu\u0308r die Werke, vor allem in Asien und in Deutschland zum Beispiel, obgleich die \u00e4sthetischen Gesichtspunkte und die St\u00e4rke der Marke weiterhin u\u0308berwiegen. Es handelt sich immer noch um seltene Stu\u0308cke, denn die Qualit\u00e4t steht u\u0308ber allem, und das verstehen sie. Die Feinheit des Werks steht an oberster Stelle. Diesen Aspekt beherrschen wir besonders gut. Was die H\u00f6he und den Durchmesser der Werke angeht, bin ich unnachgiebig. Es liegt zweifellos an uns, uns noch besser an den zeitgen\u00f6ssischen Geschmack anzupassen \u2013 mit Farben, die die ju\u0308ngere Generation begeistern, oder mit gewagteren Armbandmaterialien. Die Aquanaut eignet sich gut dafu\u0308r, und die Damen bevorzugen sie natu\u0308rlich mit Diamantbesatz. Der Wandel wird langsam vor sich gehen, denn wir m\u00f6chten unsere Kunden nicht verwirren.<\/p>\n<p><strong>Ihre Grandmaster Chime in Stahl mit 20 Komplikationen fu\u0308r die Only Watch sorgt bei den bedeutendsten Sammlern fu\u0308r Begeisterungsstu\u0308rme. Wie sah der konzeptuelle Ansatz aus?<\/strong><\/p>\n<p>Das Projekt wurde eigentlich von Anfang an, w\u00e4hrend der ersten Gespr\u00e4che mit Luc Pettavino, eingeleitet. Nachdem wir seine langfristige Vision erfasst hatten, war ich motiviert, ein Programm von Einzelstu\u0308cken aufzubauen, das nach und nach an Intensit\u00e4t gewinnt. Jedes Mal ein bisschen mehr. Das sollte auch andere Marken anspornen, sich den gleichen Herausforderungen zu stellen. Alle haben auf ihre ganz eigene Art mitgemacht. Die Grandmaster Chime wird auf 2,5 bis 3 Mio. gesch\u00e4tzt, und wir erwarten, dass sie ein lebhaftes Interesse wecken wird. Die Inschrift \u00abThe Only One\u00bb auf dem Zifferblatt ist ein zus\u00e4tzlicher Fingerzeig. Ich h\u00e4tte fru\u0308her darauf kommen und alle Exemplare damit ausstatten sollen. Jetzt ist es perfekt. Fu\u0308r den Kunden ist es sch\u00f6n zu wissen, dass es die Einzige ist.<\/p>\n<p><strong>In welchem Masse ist Patek Philippe von der weltweiten konjunkturellen Unsicherheit betroffen?<\/strong><\/p>\n<p>Ehrlich gesagt wenig. Das ist der Vorteil einer kleinen Produktion. Denn bei 60 000 Uhren im Jahr kann man die Produkte von einem Land mit schwieriger Marktlage wie z.B. Hongkong in die USA oder nach Europa verlagern. Diese Regionen freuen sich. Ausserdem hatten wir die Zahl der Einzelh\u00e4ndler in den letzten Jahren von 750 auf 440 reduziert, damit den besseren H\u00e4ndlern mehr Uhren zugeteilt werden. Ich hoffe trotz allem, dass diese Situation nicht lange andauert und dass Hongkong diese Leidenschaft fu\u0308r Uhren bewahrt. Patek Philippe hat das Glu\u0308ck, auf Kunden z\u00e4hlen zu k\u00f6nnen, die in hochwertige Produkte investieren. Solange wir ihnen neue Produkte anbieten, die ihre Herzen h\u00f6her schlagen lassen, werden wir diese auch verkaufen. Man muss langfristig denken, und wir haben Zeit. \u00dcbrigens besucht mein 16-j\u00e4hriger Sohn Tristan seit diesem Jahr die Uhrmacherschule in Genf im Wechsel mit einer Ausbildung in unserer Manufaktur. Ich war angenehm u\u0308berrascht, denn ich habe ihn u\u0308berhaupt nicht dazu ermuntert. Aber er spricht seit vier Jahren u\u0308ber Uhren, und es ist seine Entscheidung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abIn unserer neuen, 100 000 m2 grossen Manufaktur ist ein ganzes Stockwerk der Ausbildung gewidmet.\u00bb [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":19,"featured_media":34514,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34326"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/19"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=34326"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34326\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":34332,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/34326\/revisions\/34332"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/34514"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=34326"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=34326"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=34326"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}