{"id":35209,"date":"2019-11-27T14:49:34","date_gmt":"2019-11-27T12:49:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.gmtmag.com\/?p=35209"},"modified":"2019-11-27T14:49:34","modified_gmt":"2019-11-27T12:49:34","slug":"im-garten-der-eitelkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/lady-de-2\/joaillerie-3\/im-garten-der-eitelkeiten.html","title":{"rendered":"Im Garten der Eitelkeiten"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><strong><i>Gr\u00fcne Edelsteine geh\u00f6ren zu den begehrtesten dieser Welt. Wer Tsavorit, Turmalin, Peridot und nat\u00fcrlich den Smaragd begehrt, hat nicht nur einen kostspieligen Geschmack, sondern sehnt sich auch ein wenig nach Unsterblichkeit.<\/i><\/strong><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">\u03a9 <\/span>enn demn\u00e4chst wieder die dunkle Fee \u00abMaleficent\u00bb im Kino den Aufstand probt und ihr Ring giftgr\u00fcn ergl\u00fcht, dann ist es nicht nur um das K\u00f6nigreich, sondern auch um uns geschehen. Erheben sich im gleichen Atemzug auch noch die Naturgewalten, sitzt man besser nicht zwischen den Fronten. So wie damals vor 65 Millionen Jahren, als Feuer und Wasser die Smaragde schmiedeten, deren tiefes Gr\u00fcn das Paradies verspricht. Entdeckt von den \u00c4gyptern, als Talisman von den R\u00f6mern angebetet \u2013 sie glaubten, der Stein \u00e4ndere seine Farbe, wenn jemand l\u00fcgt \u2013 stehen heute die wichtigsten Smaragdminen in Kolumbien und Brasilien, wo sie von den Eroberern auf der Suche nach dem Eldorado gefunden wurden. Die Smaragdstadt gibt es zwar nur im M\u00e4rchen vom \u00abWizard of Oz\u00bb und ihre Interpretation seit Kurzem auch in Bulgaris Schmuckschatulle Cinemagia in Form eines gleichnamiges Colliers mit einem zentral platzierten, 21,49 Karat schweren Smaragd.<\/p>\n<p class=\"p2\">Smaragdg\u00e4rten hat indes schon jeder erblickt. So nennen die Juweliere n\u00e4mlich die charakteristischen Einschl\u00fcsse, die \u00abJardins\u00bb, so als w\u00e4ren sie tats\u00e4chlich kleine G\u00e4rten. Diese enth\u00fcllen eine Miniaturlandschaft von exquisiter Sch\u00f6nheit, die uns die Herkunft des Steins verr\u00e4t. Smaragde werden nach Farbton, S\u00e4ttigung und Helligkeit kategorisiert. Selten und begehrt sind dunkelgr\u00fcne Steine mit intensiver Farbe. \u00abFura\u00bb ist der gr\u00f6sste ungeschliffene Smaragd der Welt: \u00fcber zwei Kilogramm schwer und von unsch\u00e4tzbarem Wert.<\/p>\n<p class=\"p1\">Ein facettenreiches Juwel von unsch\u00e4tzbarem Wert war auch Modesch\u00f6pferin Gabrielle Chanel, die Modeschmuck den gleichen Stellenwert beimass wie echtem Schmuck. Sie trug beides zur gleichen Zeit. Auch sonst f\u00fchrte die Chanel ein recht unkonventionelles Leben. Sie reihte Liebhaber aneinander wie andere Perlen zu einer Kette. Einer davon war Grossf\u00fcrst Dmitri Pawlowitsch, Cousin von Zar Nikolaus II. Er f\u00fchrte sie in die barocke \u00c4sthetik Russlands ein, der das Maison in der aktuellen Haute-Joaillerie-Kollektion Le Paris Russe de Chanel eine Hommage erweist: mit wundersamen diamantenen Doppeladlern, strahlenden Sonnenmedaillons, turmalingr\u00fcnen \u00c4hrenmotiven und Folkloremustern, die wie ein mit bunten Steinen \u00fcbers\u00e4ter Irrgarten aussehen.<\/p>\n<p class=\"p1\">Im Hortus Deliciarum, dem Garten der K\u00f6stlichkeiten, hat sich Gucci-Designer Alessandro Michele verlustiert. Was den einen prunkvolle mittelalterliche Klosterliteratur (der Hortus Deliciarum ist eine Enzyklop\u00e4die aus dem 12. Jahrhundert), ist den anderen exzentrische K\u00f6rperdekoration. Michele entwirft denn auch Schmuck, der den Borgias genauso zu Gesicht gestanden h\u00e4tte wie den Kardashians: Devotionalien wie Kreuze und mit Pfeilen durchbohrte Herzen (Cupido w\u00e4re entz\u00fcckt) gesellen sich zu einem Bestiarium aus Edelstein verschlingenden L\u00f6wen, Fabelwesen, die vorne Panther und hinten Walfisch sind, und zu Colliers, die mehr Punk denn Parure sagen. Exakt in diesem Clash der Kulturen und Jahrhunderte liegt die Poesie der allerersten Gucci Haute Joaillerie, die sage und schreibe 200 St\u00fccke \u2013 viele davon Unikate \u2013 umfasst. Frei nach dem Motto: \u00abMore is more and less is a bore.\u00bb<\/p>\n<p class=\"p1\">Ebenso wenig wird auf dem Roten Teppich mit Schmuck gegeizt. Dass dieser immer gr\u00fcner wird, haben wir dem Schweizer Juwelier Chopard zu verdanken, hat sich das Unternehmen doch einer nachhaltigen und ethisch korrekten Gold- und Edelsteinbeschaffung verschrieben. 2016 ging Caroline Scheufele eine Partnerschaft mit Gemfields, dem weltweit gr\u00f6ssten Produzenten von Farbedelsteinen, ein und stellte eine Sonderkollektion \u00abGreen Carpet\u00bb vor, f\u00fcr die verantwortungsvoll beschaffte Smaragde verwendet wurden. Die j\u00e4hrlich herausgebrachte Kollektion Red Carpet bet\u00f6rt 2019 indes mit der Liebe, unter anderem gefasst in ein extravagantes Set aus Collier und Ohrringen, das mit Saphiren, Amethysten, Granaten, Topasen und Tsavoriten besetzt ist.<\/p>\n<p class=\"p1\">Eine Ritterin aus Leidenschaft brauchte es zweifelsohne, um Francesca Amfitheatrofs Schmuckkollektion \u00abRiders of the Knights\u00bb f\u00fcr Louis Vuitton zu realisieren. Das Talisman-Amulett, dessen Zentrum ein Lapislazuli-Medaillon bildet, um das sich eine zweireihige Kette aus 70 Saphiren und 100 Smaragden legt, ben\u00f6tigte Monate f\u00fcr seine Fertigstellung. Ebenso virtuos spielt die Designerin mit grafischen Linien und architektonischen Formen, deren Designkomponenten an mittelalterliche Festungen mit Zugbr\u00fccken, Fallgattern und Ketten erinnern.<\/p>\n<p class=\"p1\">Die Liebe stand auch beim franz\u00f6sischen Juwelier Van Cleef &amp; Arpels im Zentrum des Schaffensprozesses: Romeo und Julia, das wohl ber\u00fchmteste Liebespaar der Welt, ist jetzt endg\u00fcltig unsterblich. Das Schicksal der zwei jungen Liebenden erf\u00fcllt sich in G\u00e4rten voller Edelsteine, deren flamboyante Mauern ihr Geheimnis besch\u00fctzen. \u00dcber 100 figurative und abstrakte St\u00fccke r\u00fchren ans Herz, so wie jene Szene auf dem Balkon, in der das Verh\u00e4ngnis seinen Lauf nimmt und Julia spricht: \u00abEs war die Nachtigall und nicht die Lerche, die dich vorhin erschreckte.\u00bb Und es ist die Zuversicht, die aus dem satten Gr\u00fcn der kolumbianischen Smaragde spricht, die Efeuranken gleich den Balkon hochwachsen.<\/p>\n<p class=\"p1\">So bleibt zum Schluss jeder Geschichte der gr\u00fcne Stein der Hoffnung, der seine Tr\u00e4gerin unter den Schutz der G\u00f6tter stellt \u2013 so wollen wir es zumindest glauben. Und vielleicht wird aus dem gefallenen Engel Maleficent am Ende doch noch eine gute Fee.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gr\u00fcne Edelsteine geh\u00f6ren zu den begehrtesten dieser Welt. 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