{"id":6142,"date":"2013-10-18T12:33:20","date_gmt":"2013-10-18T11:33:20","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=6142"},"modified":"2014-11-19T10:22:04","modified_gmt":"2014-11-19T09:22:04","slug":"leichter-harter-eleganter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/technik-n-de\/technik\/leichter-harter-eleganter.html","title":{"rendered":"Leichter, h\u00e4rter, eleganter : Die Materialwissenschaft\u2026"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"contenu_article\"><strong>Mitten im Wettrennen um Exklusivit\u00e4t<\/strong> und Technizit\u00e4t erblickten in den 2000er-Jahren zahlreiche Legierungen mit interessanten Namen das Licht der Welt: das Zalium (Aluminium + Zirkonium) von Harry Winston, das Alusic f\u00fcr die RM 09 von Richard Mille und markeneigene Metalle wie Hublonium (Aluminium + Magnesium) oder Zenithium (Titan + Aluminium + Niobium). Langsam aber sicher haben sie ihre Daseinsberechtigung unter Beweis gestellt. Nach einer kurzen Verschnaufpause ist nun der Erfindungszug wieder ins Rollen gekommen, denn das L\u00f6sungsreservoir aus Luftfahrt, Automobilsektor und Raumfahrt ist noch lange nicht ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aufstrebende Generation<\/strong><\/p>\n<p>Die Legierungen des vergangenen Jahrzehnts werden von der neuen Materialgeneration mit gleichem Ziel angegriffen: h\u00e4rter, leichter, robuster. So haben wir beispielsweise gelernt, dass Silizium ein Hochleistungsmetall ist, aus dem Roger Dubuis drei Quatuor-Exemplare fertigt. Die Richard Mille RM 52-01 verwendet TZP. Dieses mit Yttrium stabilisierte Zirkonium ist ultraleicht und extrem kratzfest. Dies gilt auch f\u00fcr das Powerlite von Maurice Lacroix aus Keramik und hochfesten St\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6138\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/33_Innovation_2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/33_Innovation_2.jpg 600w, https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/33_Innovation_2-300x179.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Intergalaktischer Blumentopf<\/strong><\/p>\n<p>Die Keramik-Familie, die vom Blumentopf bis zum thermischen Schutzschild von Raumf\u00e4hren reicht, bringt unser ganzes Werkstoffverst\u00e4ndnis aus dem Lot. Ihre Pr\u00e4senz beim Cermet von Jaeger-LeCoultre bildet eine sogenannte intermetallische Legierung, bei der die Atome eher nebeneinander existieren statt zu fusionieren und somit ihre mechanischen Kapazit\u00e4ten noch steigern. Hublot nutzt diese \u00fcberraschenden Eigenschaften beispielsweise f\u00fcr das Magic Gold, bei dem reines Gold in eine por\u00f6se Borkarbidstruktur gegossen wird. Das Ergebnis ist eine 18-kar\u00e4tige Goldlegierung (75 Massenprozent) mit doppelt so hoher Abriebfestigkeit wie bei den besten Kohlenstoffst\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Transmutation<\/strong><\/p>\n<p>Verbundstoffe haben ebenfalls grossartige Fortschritte verzeichnet und weisen kaum noch M\u00e4ngel auf. Der Verbundstoff mit Kohlenstoffnanor\u00f6hren der Richard Mille MR 027-01 kombiniert einen Leichtigkeitsrekord mit einer so hohen Festigkeit, dass Rafael Nadal mit ihr am Handgelenk Turniere gewinnen kann. Das Polyepoxidharz der HYT H1 AZO ist dank einer Formel und eines neuen H\u00e4rtungsverfahrens dreimal robuster und viermal leichter als Titan. Das beeindruckendste Beispiel ist jedoch Karbonfaser. Das leichte und geschmeidige Material zerkratzt allerdings leicht und kann bei Druck brechen. TAG Heuer hat deshalb das Konzept der Carbon Matrix aus der Luftfahrtindustrie \u00fcbernommen. Die in Harz eingegossenen gestapelten Fasern bilden nach dem Brennen einen leichten, harten und gut zu bearbeitenden Block. Diese neuen Optionen er\u00f6ffnen faszinierende neue M\u00f6glichkeiten und bieten gesteigerten Komfort sowie erstaunliche Zuverl\u00e4ssigkeit. Weil die Marken auf Exklusivit\u00e4t setzen, werden jedoch nur die wenigsten regelm\u00e4ssig zum Einsatz kommen. Zumal diese Werkstoffe extrem schwer zu bearbeiten sind. Kurz und gut: Stahl, Gold und Titan geh\u00f6ren noch lange nicht zum Alteisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Geh\u00e4use der RM 27-01<\/strong> ist ein Verbundstoff aus Kohlenstoffnanor\u00f6hren. Die ganze Uhr wiegt nur 19 Gramm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>HYT H1 Azo\u2009:<\/strong> Das Geh\u00e4use aus Fluo-Verbundstoff ist viermal h\u00e4rter als Titan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das CMC von TAG Heuer<\/strong> ist ein ultraleichter bearbeitbarer Kohlenstoff, der unendlich viel robuster ist als der urspr\u00fcngliche Kohlenstoff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Deepsea Cermet von Jaeger-LeCoultre<\/strong> kombiniert Keramik mit Aluminium.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Mitten im Wettrennen um Exklusivit\u00e4t<\/strong> und Technizit\u00e4t erblickten in den 2000er-Jahren zahlreiche Legierungen mit interessanten Namen das Licht der Welt: das Zalium (Aluminium + Zirkonium) von Harry Winston, das Alusic f\u00fcr die RM 09 von Richard Mille und markeneigene Metalle wie Hublonium (Aluminium + Magnesium) oder Zenithium (Titan + Aluminium + Niobium). Langsam aber sicher haben sie ihre Daseinsberechtigung unter Beweis gestellt. Nach einer kurzen Verschnaufpause ist nun der Erfindungszug wieder ins Rollen gekommen, denn das L\u00f6sungsreservoir aus Luftfahrt, Automobilsektor und Raumfahrt ist noch lange nicht ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aufstrebende Generation<\/strong><\/p>\n<p>Die Legierungen des vergangenen Jahrzehnts werden von der neuen Materialgeneration mit gleichem Ziel angegriffen: h\u00e4rter, leichter, robuster. So haben wir beispielsweise gelernt, dass Silizium ein Hochleistungsmetall ist, aus dem Roger Dubuis drei Quatuor-Exemplare fertigt. Die Richard Mille RM 52-01 verwendet TZP. Dieses mit Yttrium stabilisierte Zirkonium ist ultraleicht und extrem kratzfest. Dies gilt auch f\u00fcr das Powerlite von Maurice Lacroix aus Keramik und hochfesten St\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-6138\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/33_Innovation_2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" srcset=\"https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/33_Innovation_2.jpg 600w, https:\/\/www.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/33_Innovation_2-300x179.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Intergalaktischer Blumentopf<\/strong><\/p>\n<p>Die Keramik-Familie, die vom Blumentopf bis zum thermischen Schutzschild von Raumf\u00e4hren reicht, bringt unser ganzes Werkstoffverst\u00e4ndnis aus dem Lot. Ihre Pr\u00e4senz beim Cermet von Jaeger-LeCoultre bildet eine sogenannte intermetallische Legierung, bei der die Atome eher nebeneinander existieren statt zu fusionieren und somit ihre mechanischen Kapazit\u00e4ten noch steigern. Hublot nutzt diese \u00fcberraschenden Eigenschaften beispielsweise f\u00fcr das Magic Gold, bei dem reines Gold in eine por\u00f6se Borkarbidstruktur gegossen wird. Das Ergebnis ist eine 18-kar\u00e4tige Goldlegierung (75 Massenprozent) mit doppelt so hoher Abriebfestigkeit wie bei den besten Kohlenstoffst\u00e4hlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Transmutation<\/strong><\/p>\n<p>Verbundstoffe haben ebenfalls grossartige Fortschritte verzeichnet und weisen kaum noch M\u00e4ngel auf. Der Verbundstoff mit Kohlenstoffnanor\u00f6hren der Richard Mille MR 027-01 kombiniert einen Leichtigkeitsrekord mit einer so hohen Festigkeit, dass Rafael Nadal mit ihr am Handgelenk Turniere gewinnen kann. Das Polyepoxidharz der HYT H1 AZO ist dank einer Formel und eines neuen H\u00e4rtungsverfahrens dreimal robuster und viermal leichter als Titan. Das beeindruckendste Beispiel ist jedoch Karbonfaser. Das leichte und geschmeidige Material zerkratzt allerdings leicht und kann bei Druck brechen. TAG Heuer hat deshalb das Konzept der Carbon Matrix aus der Luftfahrtindustrie \u00fcbernommen. Die in Harz eingegossenen gestapelten Fasern bilden nach dem Brennen einen leichten, harten und gut zu bearbeitenden Block. Diese neuen Optionen er\u00f6ffnen faszinierende neue M\u00f6glichkeiten und bieten gesteigerten Komfort sowie erstaunliche Zuverl\u00e4ssigkeit. Weil die Marken auf Exklusivit\u00e4t setzen, werden jedoch nur die wenigsten regelm\u00e4ssig zum Einsatz kommen. Zumal diese Werkstoffe extrem schwer zu bearbeiten sind. Kurz und gut: Stahl, Gold und Titan geh\u00f6ren noch lange nicht zum Alteisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das Geh\u00e4use der RM 27-01<\/strong> ist ein Verbundstoff aus Kohlenstoffnanor\u00f6hren. Die ganze Uhr wiegt nur 19 Gramm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>HYT H1 Azo\u2009:<\/strong> Das Geh\u00e4use aus Fluo-Verbundstoff ist viermal h\u00e4rter als Titan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Das CMC von TAG Heuer<\/strong> ist ein ultraleichter bearbeitbarer Kohlenstoff, der unendlich viel robuster ist als der urspr\u00fcngliche Kohlenstoff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Deepsea Cermet von Jaeger-LeCoultre<\/strong> kombiniert Keramik mit Aluminium.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":6137,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[506],"tags":[287,191,190,248],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6142"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=6142"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/6142\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/6137"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=6142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=6142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=6142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}