{"id":686,"date":"2011-06-11T12:39:09","date_gmt":"2011-06-11T11:39:09","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=686"},"modified":"2012-12-05T14:36:07","modified_gmt":"2012-12-05T13:36:07","slug":"osmose-von-kunst-und-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/art-n-de\/12e_art-3\/osmose-von-kunst-und-wissenschaft.html","title":{"rendered":"Osmose von Kunst und Wissenschaft"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"contenu_article\">Die Kunst der Zeitmessung unterh\u00e4lt mit allen anderen Wissenschaften seit mehreren tausend Jahren einen st\u00e4ndigen Dialog, der auch so bald nicht abbrechen d\u00fcrfte. Mechanik, Physik, Mathematik und Astronomie haben der Uhrmacherei zu Fortschritten verholfen, ihr manchmal neue L\u00f6sungen aufgezeigt oder sie im Gegenteil vor neue Herausforderungen gestellt.<\/p>\n<p><strong>Tradition der Universalzeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Erfindung der Eisenbahn hat Uhrmacher und Beh\u00f6rden gezwungen, die Zeitzonen zu vereinheitlichen. Vor dem Stahlross lebte man nur in der wahren Zeit, sprich jener, bei der der Mittag durch die Sonne im Zenit angezeigt wird. Folglich gab es so viele Lokalzeiten wie L\u00e4ngengrade, doch da niemand mehr als ein paar Kilometer pro Tag reisen konnte, merkte es einfach niemand. Mit dem Zug stellte der Fortschritt die Uhrmacherei vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig bescherte er mit dem Telegrafen der Uhrmacherei die M\u00f6glichkeit, eine pr\u00e4zise Uhrzeit \u00fcber grosse Distanzen zu kommunizieren. Die Vormachtstellung seiner Marine und Handelsflotte im 18. Jahrhundert veranlasste das britische K\u00f6nigshaus, dem Uhrmacher John Harrison den roten Teppich auszurollen. Seine Uhr, die noch heute im Observatorium von Greenwich ausgestellt ist, war pr\u00e4zise genug, um die L\u00e4ngengrade zu messen. Auf dem Schiff gab sie Auskunft \u00fcber die Zeit des Heimathafens, die dann mit der realen Zeit verglichen werden konnte. Vorher kannten die Seeleute nur den Breitengrad. Sie konnten sich nicht pr\u00e4zise orten und hatten somit immer Angst, das angepeilte Ziel zu verfehlen.<\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert entwickelten die Uhrmacher unter dem Einfluss der Geografen auch Uhren mit Universalzeit wie das 1705 von Zacharias Landeck gebaute Exemplar, das heute noch im Internationalen Museum der Uhrmacherei in La Chaux-de-Fonds bewundert werden kann. Sie legten den Grundstein f\u00fcr sagenumwobene Zeitmesser wie die Heures du monde von <strong>Vacheron Constantin<\/strong> und die verspieltere WW.TC von <strong>Girard Perregaux<\/strong>, die als Herrenmodell Auskunft \u00fcber die Lokalzeit der wichtigsten B\u00f6rsenpl\u00e4tze und als Damenmodell \u00fcber die der wichtigsten Einkaufsstrassen gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Von Newton bis Breguet<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Physik erkannte das Potenzial der Uhrmacherei, Theorie in praktische Anwendungen umzusetzen. Jede Entdeckung und jede Formel wurde fr\u00fcher oder sp\u00e4ter uhrmacherisch umgesetzt. Als Isaac Newton 1684 Edmund Halley \u00fcber seine Theorie der universellen Gravitation informiert, formuliert er ungewollt auch ein Problem \u2013 den Einfluss der Schwerkraft auf Taschenuhren \u2013, das Abraham-Louis Breguet ein Jahrhundert sp\u00e4ter mit seinem Tourbillon l\u00f6st, der auch heute noch zu den renommiertesten Komplikationen der Uhrmacherei z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Als die Wissenschaftler der Renaissance sich mit der Ausdehnung von Metallen je nach Temperatur auseinandersetzten, legten sie gleichzeitig den Grundstein f\u00fcr eine neue Pendulengeneration: Die Uhrmachermeister fertigten nun Unruhen aus Verbundstoffen und mit St\u00e4ben aus unterschiedlichen Metallen \u2013 die einen grau, die anderen golden \u2013 die auf Hitze unterschiedlich reagieren, zusammen die Verformung ausgleichen und somit daf\u00fcr sorgen, dass die Gesamtl\u00e4nge unver\u00e4ndert bleibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nach dem Big Bang \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Magic Gold, einem neuen, kratzfesten und 18-kar\u00e4tigen Gold setzt<strong> Hublot<\/strong> diese jahrhundertealte Tradition fort: Feststellung der Schwachstellen eines Materials \u2013 Ausdehnung bei den Pendulen bzw. mangelnde H\u00e4rte beim Gold \u2013 und Suchen einer L\u00f6sung mithilfe von Wissenschaftlern. EPFL-Forscher verhalfen Hublot zum Magic Gold: Fl\u00fcssiges Gold wird unter Druck in eine Art Keramikschwamm gespritzt, bis dieser nichts mehr aufnehmen kann. Wissenschaft und Uhrmacherei erg\u00e4nzen sich technisch perfekt, wenn sie die Pr\u00e4zision, Zuverl\u00e4ssigkeit und Lebensdauer eines Zeitmessers steigern. Ihr Zusammenspiel kann aber auch von atemberaubend poetischer Sch\u00f6nheit sein, wenn sie auf 40 mm Durchmesser das ganze Himmelszelt des Universums widerspiegeln.<\/p>\n<p>Dominique Fl\u00e9chon erinnert daran, dass die Uhrmacherei vor allem der Astronomie entsprungen ist. Die Designer grosser Uhrenmarken machen diesem Erbe mit zahlreichen Modellen alle Ehre: ein Zifferblatt mit dem Himmel \u00fcber Paris von <strong>Van Cleef &amp; Arpels<\/strong> 2008, astronomische Komplikationen von Ludwig Oechslin f\u00fcr <strong>Ulysse Nardin<\/strong> sowie Variationen der auf bewegliche L\u00fcnetten gravierten Ekliptik. Auch hier schwankt die Uhrmacherei zwischen Allegorie und Beschreibung der Welt, zwischen praktischen Anwendungen und provokativem Machtbeweis. In China war die Zeitmessung jahrtausendelang\u00a0 ein Vorrecht des Kaisers. Das war gleichzeitig ihr Gl\u00fcck, denn herausragende Mittel liessen sie eine bis dahin unerreichte Pr\u00e4zision erzielen, und ihr Verderben, denn als kaiserliches Attribut konnte sie dem Volk nicht zug\u00e4nglich gemacht werden. Ob Kaiser oder Bauer: In S\u00fcdfrankreich symbolisiert der gr\u00f6sste Stein des astronomischen Observatoriums einfach nur den 8. September, den Tag, an dem die Hirten die Herden zur\u00fcck ins Tal treiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Marke wie\u00a0<strong>De Bethune<\/strong>\u00a0verk\u00f6rpert die Osmose zwischen Kunst und Wissenschaft unter anderem durch diese limitierte Sonderserie der Calendrier Maya, deren von Hand aus der Masse geformtes Goldzifferblatt an die neunte Welle der kosmischen Pyramide der verlorenen Zivilisation erinnert.<\/p>\n<div><\/div>\n<\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kunst der Zeitmessung unterh\u00e4lt mit allen anderen Wissenschaften seit mehreren tausend Jahren einen st\u00e4ndigen Dialog, der auch so bald nicht abbrechen d\u00fcrfte. Mechanik, Physik, Mathematik und Astronomie haben der Uhrmacherei zu Fortschritten verholfen, ihr manchmal neue L\u00f6sungen aufgezeigt oder sie im Gegenteil vor neue Herausforderungen gestellt.<\/p>\n<p><strong>Tradition der Universalzeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Erfindung der Eisenbahn hat Uhrmacher und Beh\u00f6rden gezwungen, die Zeitzonen zu vereinheitlichen. Vor dem Stahlross lebte man nur in der wahren Zeit, sprich jener, bei der der Mittag durch die Sonne im Zenit angezeigt wird. Folglich gab es so viele Lokalzeiten wie L\u00e4ngengrade, doch da niemand mehr als ein paar Kilometer pro Tag reisen konnte, merkte es einfach niemand. Mit dem Zug stellte der Fortschritt die Uhrmacherei vor neue Herausforderungen. Gleichzeitig bescherte er mit dem Telegrafen der Uhrmacherei die M\u00f6glichkeit, eine pr\u00e4zise Uhrzeit \u00fcber grosse Distanzen zu kommunizieren. Die Vormachtstellung seiner Marine und Handelsflotte im 18. Jahrhundert veranlasste das britische K\u00f6nigshaus, dem Uhrmacher John Harrison den roten Teppich auszurollen. Seine Uhr, die noch heute im Observatorium von Greenwich ausgestellt ist, war pr\u00e4zise genug, um die L\u00e4ngengrade zu messen. Auf dem Schiff gab sie Auskunft \u00fcber die Zeit des Heimathafens, die dann mit der realen Zeit verglichen werden konnte. Vorher kannten die Seeleute nur den Breitengrad. Sie konnten sich nicht pr\u00e4zise orten und hatten somit immer Angst, das angepeilte Ziel zu verfehlen.<\/p>\n<p>Im 18. Jahrhundert entwickelten die Uhrmacher unter dem Einfluss der Geografen auch Uhren mit Universalzeit wie das 1705 von Zacharias Landeck gebaute Exemplar, das heute noch im Internationalen Museum der Uhrmacherei in La Chaux-de-Fonds bewundert werden kann. Sie legten den Grundstein f\u00fcr sagenumwobene Zeitmesser wie die Heures du monde von <strong>Vacheron Constantin<\/strong> und die verspieltere WW.TC von <strong>Girard Perregaux<\/strong>, die als Herrenmodell Auskunft \u00fcber die Lokalzeit der wichtigsten B\u00f6rsenpl\u00e4tze und als Damenmodell \u00fcber die der wichtigsten Einkaufsstrassen gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Von Newton bis Breguet<\/strong><\/p>\n<p>Auch die Physik erkannte das Potenzial der Uhrmacherei, Theorie in praktische Anwendungen umzusetzen. Jede Entdeckung und jede Formel wurde fr\u00fcher oder sp\u00e4ter uhrmacherisch umgesetzt. Als Isaac Newton 1684 Edmund Halley \u00fcber seine Theorie der universellen Gravitation informiert, formuliert er ungewollt auch ein Problem \u2013 den Einfluss der Schwerkraft auf Taschenuhren \u2013, das Abraham-Louis Breguet ein Jahrhundert sp\u00e4ter mit seinem Tourbillon l\u00f6st, der auch heute noch zu den renommiertesten Komplikationen der Uhrmacherei z\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Als die Wissenschaftler der Renaissance sich mit der Ausdehnung von Metallen je nach Temperatur auseinandersetzten, legten sie gleichzeitig den Grundstein f\u00fcr eine neue Pendulengeneration: Die Uhrmachermeister fertigten nun Unruhen aus Verbundstoffen und mit St\u00e4ben aus unterschiedlichen Metallen \u2013 die einen grau, die anderen golden \u2013 die auf Hitze unterschiedlich reagieren, zusammen die Verformung ausgleichen und somit daf\u00fcr sorgen, dass die Gesamtl\u00e4nge unver\u00e4ndert bleibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nach dem Big Bang \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Magic Gold, einem neuen, kratzfesten und 18-kar\u00e4tigen Gold setzt<strong> Hublot<\/strong> diese jahrhundertealte Tradition fort: Feststellung der Schwachstellen eines Materials \u2013 Ausdehnung bei den Pendulen bzw. mangelnde H\u00e4rte beim Gold \u2013 und Suchen einer L\u00f6sung mithilfe von Wissenschaftlern. EPFL-Forscher verhalfen Hublot zum Magic Gold: Fl\u00fcssiges Gold wird unter Druck in eine Art Keramikschwamm gespritzt, bis dieser nichts mehr aufnehmen kann. Wissenschaft und Uhrmacherei erg\u00e4nzen sich technisch perfekt, wenn sie die Pr\u00e4zision, Zuverl\u00e4ssigkeit und Lebensdauer eines Zeitmessers steigern. Ihr Zusammenspiel kann aber auch von atemberaubend poetischer Sch\u00f6nheit sein, wenn sie auf 40 mm Durchmesser das ganze Himmelszelt des Universums widerspiegeln.<\/p>\n<p>Dominique Fl\u00e9chon erinnert daran, dass die Uhrmacherei vor allem der Astronomie entsprungen ist. Die Designer grosser Uhrenmarken machen diesem Erbe mit zahlreichen Modellen alle Ehre: ein Zifferblatt mit dem Himmel \u00fcber Paris von <strong>Van Cleef &amp; Arpels<\/strong> 2008, astronomische Komplikationen von Ludwig Oechslin f\u00fcr <strong>Ulysse Nardin<\/strong> sowie Variationen der auf bewegliche L\u00fcnetten gravierten Ekliptik. Auch hier schwankt die Uhrmacherei zwischen Allegorie und Beschreibung der Welt, zwischen praktischen Anwendungen und provokativem Machtbeweis. In China war die Zeitmessung jahrtausendelang\u00a0 ein Vorrecht des Kaisers. Das war gleichzeitig ihr Gl\u00fcck, denn herausragende Mittel liessen sie eine bis dahin unerreichte Pr\u00e4zision erzielen, und ihr Verderben, denn als kaiserliches Attribut konnte sie dem Volk nicht zug\u00e4nglich gemacht werden. Ob Kaiser oder Bauer: In S\u00fcdfrankreich symbolisiert der gr\u00f6sste Stein des astronomischen Observatoriums einfach nur den 8. September, den Tag, an dem die Hirten die Herden zur\u00fcck ins Tal treiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Marke wie\u00a0<strong>De Bethune<\/strong>\u00a0verk\u00f6rpert die Osmose zwischen Kunst und Wissenschaft unter anderem durch diese limitierte Sonderserie der Calendrier Maya, deren von Hand aus der Masse geformtes Goldzifferblatt an die neunte Welle der kosmischen Pyramide der verlorenen Zivilisation erinnert.<\/p>\n<div><\/div>\n","protected":false},"author":53,"featured_media":682,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[70],"tags":[112,271,127,273,235],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/686"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/53"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=686"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/686\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/682"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=686"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=686"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=686"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}