{"id":8164,"date":"2014-11-18T13:41:17","date_gmt":"2014-11-18T12:41:17","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=8164"},"modified":"2014-11-18T13:41:17","modified_gmt":"2014-11-18T12:41:17","slug":"magnetismus-zieh-mich-an-stoss-mich-ab-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/technik-n-de\/technik\/magnetismus-zieh-mich-an-stoss-mich-ab-2.html","title":{"rendered":"Magnetismus: Zieh mich an, stoss mich ab"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><strong>Omega\u00a0<\/strong>DeVille Tr\u00e9sor mit dem Kaliber Master Co-Axial<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Jaeger-LeCoultre<\/strong>\u00a0Geophysic 1958<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Panerai<\/strong>\u00a0Luminor Submersible 1950 Amagnetic PAM389<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tissot<\/strong>\u00a0Astrolon von 1972<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Rolex<\/strong>\u00a0Oyster Perpetual Milgauss 116400GV<\/p><\/blockquote>\n<div class=\"contenu_article\"><strong>Mechanikwerke und Magnete sind keine Freunde.<\/strong>\u00a0Magnetfelder beeintr\u00e4chtigen oder stoppen sogar ihren Gang. Mechanikkaliber bergen Stahlteile, vor allem die Spirale. Ihre Ferronickel-Legierung ist theoretisch gegen externe St\u00f6rungen gefeit. Doch die Grenzen dieser St\u00f6rfestigkeit werden oft \u00fcberschritten \u2013 schliesslich leben wir in einer immer st\u00e4rker magnetisierten Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abschotten<\/strong><\/p>\n<p>Die ersten Versuche f\u00fcr eine Isolierung von Uhren gegen Magnetfelder stammen vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Sehr fr\u00fch setzte sich eine L\u00f6sung durch: der Faraday-K\u00e4fig, eine H\u00fclle aus reinem Eisen, die die Magnetfelder effizient ablenkt. Man musste einfach nur ein Kaliber mit dieser H\u00fclle sch\u00fctzen. Diese Technik wird auch heute noch genutzt. Sie schirmt die\u00a0<strong>Panerai Luminor Submersible 1950 Amagnetic<\/strong>\u00a0gegen Felder mit einer sehr hohen St\u00e4rke von 40 000 A\/m. Obwohl dieser K\u00e4fig die einfachste und wirtschaftlichste L\u00f6sung ist, hat er drei Nachteile. Erstens ist Eisen nicht durchsichtig, sodass man keinen Saphirboden verwenden kann. Zweitens ist die L\u00f6sung wenig elegant, und drittens ist der Schutz des Eisens proportional zu seiner Dicke, d.h. je mehr Schutz desto mehr Volumen und Gewicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GMT-38_Innovation-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GMT-38_Innovation-2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erforschen<\/strong><\/p>\n<p>Der Kampf gegen den Magnetismus erlebte seine Bl\u00fctezeit in den 50er-Jahren im Rahmen der wissenschaftlichen und geografischen Forschung sowie der Weltraumforschung, die Uhren neuartigen und extremen Bedingungen aussetzten. In dieser Epoche erblickten die\u00a0<strong>Milgauss von Rolex<\/strong>\u00a0und die\u00a0<strong>Geophysic von Jaeger-LeCoultre<\/strong>\u00a0das Licht der Welt. Die erste wurde f\u00fcr den Einsatz nahe der Teilchenbeschleuniger am Europ\u00e4ischen Kernforschungszentrum CERN und die andere f\u00fcr Polarexpeditionen entwickelt. Beide Uhren werden neu aufgelegt. Gleichzeitig hielt die Elektronik \u00fcberall ihren Einzug in unseren Alltag: Fernseher, Lautsprecher, Haushaltsger\u00e4te und Flugzeuge machen unseren Uhren das Leben schwer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vermeiden<\/strong><\/p>\n<p>Anstelle eines Magnetfeldschutzes setzen andere L\u00f6sungen auf nicht magnetisierbare Werkstoffe.\u00a0<strong>Tissot<\/strong>\u00a0fungierte als Pionier auf diesem Gebiet. Die 1972 lancierte\u00a0<strong>Astrolon<\/strong>\u00a0besass ein Plastikwerk. Die edelste Idee gr\u00fcndete auf dem absolut antimagnetischen Werkstoff Gold. Viele goldene Unruhen wurden entwickelt. H. Moser &amp; Cie fertigte sogar Anker sowie ganze Werke in Gold. F.P Journe ging noch weiter, denn alle Kaliber der Marke sind systematisch aus Gold.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Immun<\/strong><\/p>\n<p>Silizium ist hinsichtlich der Kosten die effizienteste Neuerung. Silizium kann einfach bearbeitet werden, ist kosteng\u00fcnstig und absolut unempfindlich f\u00fcr Magnetfelder. Das\u00a0<strong>Kaliber Un-118 von Ulysse Nardin<\/strong>\u00a0verf\u00fcgt beispielweise \u00fcber eine komplette Siliziumhemmung (Spirale, Anker und Ankerrad) und ist somit absolut immun. Und was ist mit der Metallrestmasse, d.h. dem restlichen Werk?\u00a0<strong>Omega<\/strong>\u00a0hat das Problem auf andere Weise beseitigt. Das neue Werk namens\u00a0<strong>Master Coaxial<\/strong>\u00a0ist aus einer streng geheimen und f\u00fcr Magnetfelder bis zu einer St\u00e4rke von 15 000 A\/m absolut unempfindlichen Legierung. Die Strahlen durchdringen das Werk, k\u00f6nnen ihm aber nichts anhaben. Dieses Prinzip macht die sehr elegante DeVille Tr\u00e9sor immun. Das Magnetisierungsrisiko betrifft alle Uhren, nicht nur die von Sportlern und Forschern.<\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Mechanikwerke und Magnete sind keine Freunde.<\/strong>\u00a0Magnetfelder beeintr\u00e4chtigen oder stoppen sogar ihren Gang. Mechanikkaliber bergen Stahlteile, vor allem die Spirale. Ihre Ferronickel-Legierung ist theoretisch gegen externe St\u00f6rungen gefeit. Doch die Grenzen dieser St\u00f6rfestigkeit werden oft \u00fcberschritten \u2013 schliesslich leben wir in einer immer st\u00e4rker magnetisierten Welt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abschotten<\/strong><\/p>\n<p>Die ersten Versuche f\u00fcr eine Isolierung von Uhren gegen Magnetfelder stammen vom Anfang des 20. Jahrhunderts. Sehr fr\u00fch setzte sich eine L\u00f6sung durch: der Faraday-K\u00e4fig, eine H\u00fclle aus reinem Eisen, die die Magnetfelder effizient ablenkt. Man musste einfach nur ein Kaliber mit dieser H\u00fclle sch\u00fctzen. Diese Technik wird auch heute noch genutzt. Sie schirmt die\u00a0<strong>Panerai Luminor Submersible 1950 Amagnetic<\/strong>\u00a0gegen Felder mit einer sehr hohen St\u00e4rke von 40 000 A\/m. Obwohl dieser K\u00e4fig die einfachste und wirtschaftlichste L\u00f6sung ist, hat er drei Nachteile. Erstens ist Eisen nicht durchsichtig, sodass man keinen Saphirboden verwenden kann. Zweitens ist die L\u00f6sung wenig elegant, und drittens ist der Schutz des Eisens proportional zu seiner Dicke, d.h. je mehr Schutz desto mehr Volumen und Gewicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GMT-38_Innovation-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/GMT-38_Innovation-2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Erforschen<\/strong><\/p>\n<p>Der Kampf gegen den Magnetismus erlebte seine Bl\u00fctezeit in den 50er-Jahren im Rahmen der wissenschaftlichen und geografischen Forschung sowie der Weltraumforschung, die Uhren neuartigen und extremen Bedingungen aussetzten. In dieser Epoche erblickten die\u00a0<strong>Milgauss von Rolex<\/strong>\u00a0und die\u00a0<strong>Geophysic von Jaeger-LeCoultre<\/strong>\u00a0das Licht der Welt. Die erste wurde f\u00fcr den Einsatz nahe der Teilchenbeschleuniger am Europ\u00e4ischen Kernforschungszentrum CERN und die andere f\u00fcr Polarexpeditionen entwickelt. Beide Uhren werden neu aufgelegt. Gleichzeitig hielt die Elektronik \u00fcberall ihren Einzug in unseren Alltag: Fernseher, Lautsprecher, Haushaltsger\u00e4te und Flugzeuge machen unseren Uhren das Leben schwer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Vermeiden<\/strong><\/p>\n<p>Anstelle eines Magnetfeldschutzes setzen andere L\u00f6sungen auf nicht magnetisierbare Werkstoffe.\u00a0<strong>Tissot<\/strong>\u00a0fungierte als Pionier auf diesem Gebiet. Die 1972 lancierte\u00a0<strong>Astrolon<\/strong>\u00a0besass ein Plastikwerk. Die edelste Idee gr\u00fcndete auf dem absolut antimagnetischen Werkstoff Gold. Viele goldene Unruhen wurden entwickelt. H. Moser &amp; Cie fertigte sogar Anker sowie ganze Werke in Gold. F.P Journe ging noch weiter, denn alle Kaliber der Marke sind systematisch aus Gold.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Immun<\/strong><\/p>\n<p>Silizium ist hinsichtlich der Kosten die effizienteste Neuerung. Silizium kann einfach bearbeitet werden, ist kosteng\u00fcnstig und absolut unempfindlich f\u00fcr Magnetfelder. Das\u00a0<strong>Kaliber Un-118 von Ulysse Nardin<\/strong>\u00a0verf\u00fcgt beispielweise \u00fcber eine komplette Siliziumhemmung (Spirale, Anker und Ankerrad) und ist somit absolut immun. Und was ist mit der Metallrestmasse, d.h. dem restlichen Werk?\u00a0<strong>Omega<\/strong>\u00a0hat das Problem auf andere Weise beseitigt. Das neue Werk namens\u00a0<strong>Master Coaxial<\/strong>\u00a0ist aus einer streng geheimen und f\u00fcr Magnetfelder bis zu einer St\u00e4rke von 15 000 A\/m absolut unempfindlichen Legierung. Die Strahlen durchdringen das Werk, k\u00f6nnen ihm aber nichts anhaben. Dieses Prinzip macht die sehr elegante DeVille Tr\u00e9sor immun. 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