{"id":8356,"date":"2014-11-20T09:17:04","date_gmt":"2014-11-20T08:17:04","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=8356"},"modified":"2014-11-20T09:17:04","modified_gmt":"2014-11-20T08:17:04","slug":"elisa-felicitas-arias-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/lady-de-2\/lady-de\/elisa-felicitas-arias-3.html","title":{"rendered":"Elisa Felicitas Arias : Meisterin der Zeit"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"contenu_article\"><strong>Als Verantwortliche f\u00fcr die Berechnung und Aufrechterhaltung <\/strong>der koordinierten Weltzeit (UTC) als weltweiter Referenz trifft Felicitas Arias zweimal pro Jahr bei der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) in Genf die Vertreter dieser Branche sowie der Mitgliedsstaaten. Die ITU ist f\u00fcr die Verbreitung der UTC per Zeit- und Frequenzsignale mit Sekundeneinheiten verantwortlich und muss sich mit dem BIPM als zwischenstaatlicher Organisation bei der Festlegung der Stundensignale sowie verschiedenen Telekommunikationsaspekten, insbesondere hinsichtlich der \u00c4nderung der UTC-Definition, einigen, die die Staaten seit dem Jahr 2000 besch\u00e4ftigt. Obwohl rund 150 Mitgliedsl\u00e4nder betroffen sind, legen nur rund zehn Staaten aus wirtschaftlichen und strategischen Gr\u00fcnden ein starkes Interesse an den Tag: China, Deutschland, England, Frankreich, Italien, Japan, Russland und die USA sowie bis zu einem gewissen Grad auch Kanada.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Wozu die Definition der UTC ver\u00e4ndern?<\/strong><\/p>\n<p>Um mit der Zeit zu gehen. Doch welcher? Die atomische Zeitskala gibt es seit 1960, die UTC seit 1972 als Ersatz f\u00fcr die Erdumdrehungszeit, die der Schifffahrt als Referenz diente. F\u00fcr die Schifffahrt ist es jedoch unerl\u00e4sslich, eine Beziehung zur Drehung der Erde um die eigene Achse aufrechtzuerhalten, was das Hinzuf\u00fcgen einer Schaltsekunde f\u00fcr die Synchronisation mit der UTC voraussetzt. Als die Atomzeit zur internationalen Zeit ernannt wurde, war die Gr\u00fcndung einer mit der Analyse der Erdumdrehung f\u00fcr die Bestimmung des Unterschieds zur Atomzeit sowie die Festlegung einer Toleranz beauftragten Organisation der beste Kompromiss. Die Schifffahrt forderte, den Wert von einer Sekunde (0,9 Sekunden) nicht zu \u00fcberschreiten. Die Organisation wurde IERS (International Earth Rotation Service) genannt. Seit dem Jahr 2000 und aufgrund der allgegenw\u00e4rtigen neuen Technologien st\u00f6rt diese Schaltsekunde jedoch die Raumfahrt sowie die nicht mit analoger Zeit ausger\u00fcsteten Netze, die sich w\u00e4hrend dieser kurzen Zeitspanne ausloggen. Die Unvorhersehbarkeit der Schaltsekunde verunm\u00f6glicht jegliche Planung. Es kann alle 18-24 Monate oder aber erst nach sieben Jahren soweit sein. Die Erde bremst manchmal, jedoch nie gleich stark. Langfristig k\u00f6nnen ruhige Phasen durch st\u00e4rkeres Abbremsen kompensiert werden, sodass in einem Jahr mehr als eine Sekunde eingef\u00fcgt werden muss. Bestimmte moderne Systeme versuchen ohne auszukommen, was ein Zusammenspiel von mehreren parallelen Zeitskalen voraussetzt und Risiken einer schlechten Koordination, vor allem bei Sicherheitssystemen, birgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kampf um die Zeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Zuverl\u00e4ssigkeit des Navigationssystems GPS h\u00e4ngt beispielsweise direkt von der Stabilit\u00e4t der Zeit ab. Die GPS-Skala ist mit der UTC ohne Schaltsekunde synchronisiert und weist derzeit eine Abweichung von 16 Sekunden auf. Diese Abweichung steigt mit jeder neuen Schaltsekunde. Nun wird die Situation aber noch komplexer, weil zum amerikanischen GPS jetzt das europ\u00e4ische System Galileo, das chinesische BeiDou und das russische Glonass kommen. Die Chinesen haben beschlossen, sich nicht gleich wie der Westen an der UTC zu orientieren, und sich f\u00fcr zwei Sekunden Differenz entschieden. Der Benutzer eines GPS-Empf\u00e4ngers kann heute zwischen GPS, UTC und Glonass w\u00e4hlen und zuk\u00fcnftig noch Galileo und BeiDou hinzuf\u00fcgen. Bestimmte Operationen mit einer Differenz von mehr als zehn Sekunden auszuf\u00fchren k\u00f6nnte sich als sehr gef\u00e4hrlich erweisen. Seit fast 15 Jahren bem\u00fcht sich Felicitas Arias um eine Einigung auf eine gemeinsame Definition. Heute liefert der IERS eine Echtzeitvorhersage des Unterschieds zwischen Erdumdrehungszeit und Atomzeit mit einer viel gr\u00f6sseren Pr\u00e4zision als die 0,9 Sekunden. Die Meisterin der Zeit spricht von der Entwicklung von Zeit-Servern und neuen Satelliten-Generationen, die diese Informationen liefern k\u00f6nnen. Findet der Kampf um die Zeit im Weltall statt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach ihrem Astronomie-Diplom in Argentinien absolvierte Felicitas Arias ihr Doktorat am Pariser Observatorium und kehrte anschliessend an die argentinische Universit\u00e4t zur\u00fcck, um die mit der Erdumdrehung zusammenh\u00e4ngenden astronomischen Referenzen zu untersuchen. 1991 \u00fcbernahm sie die Leitung des Schifffahrts-Observatoriums in Buenos Aires und wechselte 1999 zum BIPM in Paris.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Als Verantwortliche f\u00fcr die Berechnung und Aufrechterhaltung <\/strong>der koordinierten Weltzeit (UTC) als weltweiter Referenz trifft Felicitas Arias zweimal pro Jahr bei der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) in Genf die Vertreter dieser Branche sowie der Mitgliedsstaaten. 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F\u00fcr die Schifffahrt ist es jedoch unerl\u00e4sslich, eine Beziehung zur Drehung der Erde um die eigene Achse aufrechtzuerhalten, was das Hinzuf\u00fcgen einer Schaltsekunde f\u00fcr die Synchronisation mit der UTC voraussetzt. Als die Atomzeit zur internationalen Zeit ernannt wurde, war die Gr\u00fcndung einer mit der Analyse der Erdumdrehung f\u00fcr die Bestimmung des Unterschieds zur Atomzeit sowie die Festlegung einer Toleranz beauftragten Organisation der beste Kompromiss. Die Schifffahrt forderte, den Wert von einer Sekunde (0,9 Sekunden) nicht zu \u00fcberschreiten. Die Organisation wurde IERS (International Earth Rotation Service) genannt. Seit dem Jahr 2000 und aufgrund der allgegenw\u00e4rtigen neuen Technologien st\u00f6rt diese Schaltsekunde jedoch die Raumfahrt sowie die nicht mit analoger Zeit ausger\u00fcsteten Netze, die sich w\u00e4hrend dieser kurzen Zeitspanne ausloggen. Die Unvorhersehbarkeit der Schaltsekunde verunm\u00f6glicht jegliche Planung. Es kann alle 18-24 Monate oder aber erst nach sieben Jahren soweit sein. Die Erde bremst manchmal, jedoch nie gleich stark. Langfristig k\u00f6nnen ruhige Phasen durch st\u00e4rkeres Abbremsen kompensiert werden, sodass in einem Jahr mehr als eine Sekunde eingef\u00fcgt werden muss. Bestimmte moderne Systeme versuchen ohne auszukommen, was ein Zusammenspiel von mehreren parallelen Zeitskalen voraussetzt und Risiken einer schlechten Koordination, vor allem bei Sicherheitssystemen, birgt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kampf um die Zeit<\/strong><\/p>\n<p>Die Zuverl\u00e4ssigkeit des Navigationssystems GPS h\u00e4ngt beispielsweise direkt von der Stabilit\u00e4t der Zeit ab. Die GPS-Skala ist mit der UTC ohne Schaltsekunde synchronisiert und weist derzeit eine Abweichung von 16 Sekunden auf. Diese Abweichung steigt mit jeder neuen Schaltsekunde. Nun wird die Situation aber noch komplexer, weil zum amerikanischen GPS jetzt das europ\u00e4ische System Galileo, das chinesische BeiDou und das russische Glonass kommen. Die Chinesen haben beschlossen, sich nicht gleich wie der Westen an der UTC zu orientieren, und sich f\u00fcr zwei Sekunden Differenz entschieden. Der Benutzer eines GPS-Empf\u00e4ngers kann heute zwischen GPS, UTC und Glonass w\u00e4hlen und zuk\u00fcnftig noch Galileo und BeiDou hinzuf\u00fcgen. Bestimmte Operationen mit einer Differenz von mehr als zehn Sekunden auszuf\u00fchren k\u00f6nnte sich als sehr gef\u00e4hrlich erweisen. Seit fast 15 Jahren bem\u00fcht sich Felicitas Arias um eine Einigung auf eine gemeinsame Definition. Heute liefert der IERS eine Echtzeitvorhersage des Unterschieds zwischen Erdumdrehungszeit und Atomzeit mit einer viel gr\u00f6sseren Pr\u00e4zision als die 0,9 Sekunden. 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