{"id":9007,"date":"2015-03-19T08:00:55","date_gmt":"2015-03-19T07:00:55","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=9007"},"modified":"2015-03-17T14:18:55","modified_gmt":"2015-03-17T13:18:55","slug":"karbon-kann-alles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/technik-n-de\/technik\/karbon-kann-alles.html","title":{"rendered":"Karbon kann alles"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"contenu_article\"><strong>Unsere Uhren enthalten schon lange Karbon.<\/strong> Kein Stahl ohne Karbon. Auch auf der Oberfl\u00e4che unserer Uhren findet man schon lange Karbon, da Beschichtungen wie DLC und A-DLC aus diesem Werkstoff bestehen. Ihre geringe Oberfl\u00e4chenabnutzung verdanken sie ihrer diamant\u00e4hnlichen Struktur (Diamond Like). Die die Geh\u00e4use schw\u00e4rzenden und h\u00e4rtenden Schichten zeugen von der Haupteigenschaft von Karbon: formbar und vielseitig einsetzbar. Karbon hat aber noch andere technischere Vorz\u00fcge. Die Nanor\u00f6hrchen sind winzig \u2013 nur Nanometer gross \u2013 und sehen aus wie gewickelter Maschendrahtzaun. Sie sind solide und doch gleichzeitig biegsam und k\u00f6nnen bei Kunststoffen und Polymeren als Adjuvantien verwendet werden. Sie dienen, wie der Sand im Beton, der Stabilit\u00e4t. Richard Mille verst\u00e4rkt mit ihnen die Geh\u00e4usestruktur mehrerer Modelle wie beispielsweise der RM27-01 Nadal. Die Nanor\u00f6hrchen sind mittlerweile weit verbreitet, da sogar recht erschwingliche Uhren wie der Graham Chronofighter Superlight Carbon damit best\u00fcckt ist. Karbon weiss die Marken vor allem durch sein Federgewicht zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Epoxidharz\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Sein vorteilhaftes Verh\u00e4ltnis zwischen Gewicht und Festigkeit wird von einem Werkstoff genutzt, der in der Uhrmacherei schon weit verbreitet ist: Karbonfaser. Die Kohleatome werden dabei als lange F\u00e4den zu einem grenzenlos formbaren Gewebe verflochten, das meist Zifferbl\u00e4tter, L\u00fcnetten und manchmal auch Geh\u00e4use \u00fcberzieht. Bei Franck Muller, IWC und Giuliano Mazzuoli kommt es hie und da zum Einsatz. Hublot nutzt es h\u00e4ufig, hat den entsprechenden Lieferanten \u00fcbernommen und in die Manufaktur integriert. Der letzte, wenig bekannte, aber heikle Arbeitsschritt ist das Aufkochen der Fasern mit einem L\u00f6sungsmittel wie Harz oder Kunststoff, um das Karbon zu h\u00e4rten, die Form zu fixieren und es zu sch\u00fctzen. Denn Karbon hin oder her, Faser bleibt Faser, wenn auch nicht ganz so empfindlich wie Wolle. Audemars Piguet hat die Erfahrung gemacht. Das geschmiedete Karbon hatte der Manufaktur in Le Brassus einen Vorsprung verschafft. Die Formen wurden mit Faserschnipseln gef\u00fcllt und anschliessend unter Vakuum bei einer geheim gehaltenen Temperatur gekocht. Diese Geh\u00e4use mussten vor dem Einschalen nur noch kurz entgratet werden. Die Oberfl\u00e4chen rauten sich mit der Zeit jedoch wie ein fusseliger Pullover auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/41_Innovation1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Maserung<\/strong><\/p>\n<p>In der Zwischenzeit hat Karbon als vollwertiger Werkstoff grosse Fortschritte gemacht. Geh\u00e4use werden teilweise ganz aus Karbon gefertigt. Die Vorz\u00fcge sind vielf\u00e4ltig: leicht, rostfrei, allergiefrei, amagnetisch, schwarz, abrasionsbest\u00e4ndig und unverformbar. Unter verschiedensten Bezeichnungen haben mehrere Marken den gleichen Ansatz gew\u00e4hlt: Sie schichten die in unterschiedliche Richtungen zeigenden Fasern dicht \u00fcbereinander und kochen sie mit geheimen Hilfsmitteln gem\u00e4ss eigenen Methoden. Man erkennt sie an ihrem Aussehen, das an die unregelm\u00e4ssigen Linien der Haut eines Tigerhais oder gemasertes Holz erinnert. Bei Richard Mille heisst es NTPT und stammt aus der Segelindustrie. Bei Panerai spricht man von Carbotech. Hublot hat dem Werkstoff der neuen Classic Fusion Minute Repeater keinen speziellen Namen gegeben. Und doch weist diese Uhr noch einen weiteren, kaum bekannten Vorzug des Werkstoffs auf, den nur Hublot zu nutzen weiss, und zwar mit h\u00f6rbarem Erfolg: Karbon ist ein ausgezeichneter Klangleiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/41_Innovation2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fast perfekt<\/strong><\/p>\n<p>Doch auch der beste Werkstoff hat seine Schw\u00e4chen. Bei einer unsanften Begegnung mit Stahl zieht Karbon den K\u00fcrzeren. Ein Schlag und Karbon bricht. Karbon kann sogar br\u00f6ckeln. Ergebnis? Immer weniger Geh\u00e4use werden nach den Methoden der Automobilindustrie und der Formel 1 gefertigt und wenn, werden sie oft durch L\u00fcnetten und \u00abbreite Schultern\u00bb gesch\u00fctzt, meist aus Keramik. Last but not least der Preis. DLC und Faserbeschichtungen sind heute weit verbreitet. Der Neuheitseffekt und die anspruchsvolle Technik f\u00fchren jedoch dazu, dass zu 100% aus Karbon gefertigte Geh\u00e4use oft 40 bis 70% mehr kosten als solche aus Nichtedelmetallen.<\/p><\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Unsere Uhren enthalten schon lange Karbon.<\/strong> Kein Stahl ohne Karbon. Auch auf der Oberfl\u00e4che unserer Uhren findet man schon lange Karbon, da Beschichtungen wie DLC und A-DLC aus diesem Werkstoff bestehen. Ihre geringe Oberfl\u00e4chenabnutzung verdanken sie ihrer diamant\u00e4hnlichen Struktur (Diamond Like). Die die Geh\u00e4use schw\u00e4rzenden und h\u00e4rtenden Schichten zeugen von der Haupteigenschaft von Karbon: formbar und vielseitig einsetzbar. Karbon hat aber noch andere technischere Vorz\u00fcge. Die Nanor\u00f6hrchen sind winzig \u2013 nur Nanometer gross \u2013 und sehen aus wie gewickelter Maschendrahtzaun. Sie sind solide und doch gleichzeitig biegsam und k\u00f6nnen bei Kunststoffen und Polymeren als Adjuvantien verwendet werden. Sie dienen, wie der Sand im Beton, der Stabilit\u00e4t. Richard Mille verst\u00e4rkt mit ihnen die Geh\u00e4usestruktur mehrerer Modelle wie beispielsweise der RM27-01 Nadal. Die Nanor\u00f6hrchen sind mittlerweile weit verbreitet, da sogar recht erschwingliche Uhren wie der Graham Chronofighter Superlight Carbon damit best\u00fcckt ist. Karbon weiss die Marken vor allem durch sein Federgewicht zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Epoxidharz\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Sein vorteilhaftes Verh\u00e4ltnis zwischen Gewicht und Festigkeit wird von einem Werkstoff genutzt, der in der Uhrmacherei schon weit verbreitet ist: Karbonfaser. Die Kohleatome werden dabei als lange F\u00e4den zu einem grenzenlos formbaren Gewebe verflochten, das meist Zifferbl\u00e4tter, L\u00fcnetten und manchmal auch Geh\u00e4use \u00fcberzieht. Bei Franck Muller, IWC und Giuliano Mazzuoli kommt es hie und da zum Einsatz. Hublot nutzt es h\u00e4ufig, hat den entsprechenden Lieferanten \u00fcbernommen und in die Manufaktur integriert. Der letzte, wenig bekannte, aber heikle Arbeitsschritt ist das Aufkochen der Fasern mit einem L\u00f6sungsmittel wie Harz oder Kunststoff, um das Karbon zu h\u00e4rten, die Form zu fixieren und es zu sch\u00fctzen. Denn Karbon hin oder her, Faser bleibt Faser, wenn auch nicht ganz so empfindlich wie Wolle. Audemars Piguet hat die Erfahrung gemacht. Das geschmiedete Karbon hatte der Manufaktur in Le Brassus einen Vorsprung verschafft. Die Formen wurden mit Faserschnipseln gef\u00fcllt und anschliessend unter Vakuum bei einer geheim gehaltenen Temperatur gekocht. Diese Geh\u00e4use mussten vor dem Einschalen nur noch kurz entgratet werden. Die Oberfl\u00e4chen rauten sich mit der Zeit jedoch wie ein fusseliger Pullover auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/41_Innovation1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Maserung<\/strong><\/p>\n<p>In der Zwischenzeit hat Karbon als vollwertiger Werkstoff grosse Fortschritte gemacht. Geh\u00e4use werden teilweise ganz aus Karbon gefertigt. Die Vorz\u00fcge sind vielf\u00e4ltig: leicht, rostfrei, allergiefrei, amagnetisch, schwarz, abrasionsbest\u00e4ndig und unverformbar. Unter verschiedensten Bezeichnungen haben mehrere Marken den gleichen Ansatz gew\u00e4hlt: Sie schichten die in unterschiedliche Richtungen zeigenden Fasern dicht \u00fcbereinander und kochen sie mit geheimen Hilfsmitteln gem\u00e4ss eigenen Methoden. Man erkennt sie an ihrem Aussehen, das an die unregelm\u00e4ssigen Linien der Haut eines Tigerhais oder gemasertes Holz erinnert. Bei Richard Mille heisst es NTPT und stammt aus der Segelindustrie. Bei Panerai spricht man von Carbotech. Hublot hat dem Werkstoff der neuen Classic Fusion Minute Repeater keinen speziellen Namen gegeben. Und doch weist diese Uhr noch einen weiteren, kaum bekannten Vorzug des Werkstoffs auf, den nur Hublot zu nutzen weiss, und zwar mit h\u00f6rbarem Erfolg: Karbon ist ein ausgezeichneter Klangleiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/03\/41_Innovation2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Fast perfekt<\/strong><\/p>\n<p>Doch auch der beste Werkstoff hat seine Schw\u00e4chen. Bei einer unsanften Begegnung mit Stahl zieht Karbon den K\u00fcrzeren. Ein Schlag und Karbon bricht. Karbon kann sogar br\u00f6ckeln. Ergebnis? Immer weniger Geh\u00e4use werden nach den Methoden der Automobilindustrie und der Formel 1 gefertigt und wenn, werden sie oft durch L\u00fcnetten und \u00abbreite Schultern\u00bb gesch\u00fctzt, meist aus Keramik. Last but not least der Preis. DLC und Faserbeschichtungen sind heute weit verbreitet. Der Neuheitseffekt und die anspruchsvolle Technik f\u00fchren jedoch dazu, dass zu 100% aus Karbon gefertigte Geh\u00e4use oft 40 bis 70% mehr kosten als solche aus Nichtedelmetallen.<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":9001,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[506],"tags":[101,348,203,127,202,131,190],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9007"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9007"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9007\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9008,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9007\/revisions\/9008"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9001"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9007"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9007"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9007"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}