{"id":9252,"date":"2015-06-16T08:00:26","date_gmt":"2015-06-16T07:00:26","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=9252"},"modified":"2015-06-12T15:06:45","modified_gmt":"2015-06-12T14:06:45","slug":"werkspreise-kurz-erklart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/art-n-de\/12e_art-3\/werkspreise-kurz-erklart.html","title":{"rendered":"Werkspreise kurz erkl\u00e4rt"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"contenu_article\">Ein Mechanikwerk ist ein kostspieliges Objekt und ein f\u00fcr den Preis einer Uhr entscheidender Faktor. Den Auftakt bildet die Entwicklung. Ein gesamtes Team braucht zwei Jahre f\u00fcr ein einfaches Werk und ganze vier Jahre f\u00fcr eine Komplikation. Die damit verbundenen Engineeringkosten sind hoch, zumal diese Investitionen Jahre vor dem Verkauf des ersten Zeitmessers get\u00e4tigt werden m\u00fcssen. Die Versuchung, eine Abk\u00fcrzung zu nehmen, ist deshalb gross. Es ist gang und g\u00e4be, ein bestehendes, anerkanntes und nicht mehr gesch\u00fctztes Werk leicht ver\u00e4ndert zu klonen. Sparen bei den Entwicklungskosten ist jedoch nur der Anfang, denn schliesslich will das Werk auch gefertigt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Maschinen<\/strong><\/p>\n<p>Die Uhrmacherei ist und bleibt, egal was sie von sich selbst behauptet, eine Industrie. Sie verarbeitet, schneidet, durchbohrt und veredelt Metall und nutzt daf\u00fcr Werkzeugmaschinen. Es braucht mindestens 10 Millionen Schweizer Franken, um eine vielseitige kleine Werkstatt mit beschr\u00e4nkter Kapazit\u00e4t einzurichten. Gr\u00f6sse und Anzahl der Maschinen werden durch mehrere Faktoren bestimmt. Der erste ist die Anzahl Bestandteile, die das Werk z\u00e4hlen wird. Je weniger Teile, desto weniger Arbeitsschritte und tiefere Kosten. Der zweite Faktor ist die Form der Teile. Gerade Br\u00fccken, Federstege und flache Platine: Jede Vereinfachung reduziert die Einstell- und Betriebszeit der Maschinen und steigert ihre Produktivit\u00e4t. Die Verarbeitungsqualit\u00e4t ist grundlegend. Es gilt, ein Gleichgewicht zwischen der Zuverl\u00e4ssigkeit der Teile und ihrer \u00c4sthetik zu finden, um Nachbesserungen und zuk\u00fcnftige Probleme zu vermeiden. Selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4ngt die Gr\u00f6sse des Maschinenparks auch von den geplanten Produktionsmengen ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/42_Art1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Material<\/strong><\/p>\n<p>Das Material spielt bei der Preisfestsetzung des Werks kaum eine Rolle. Fast alle Werke sind aus Messing und z\u00e4hlen einige wenige Stahlteile. Messing ist kosteng\u00fcnstig, leicht zu bearbeiten und kann sch\u00f6n aussehen. Einige Marken arbeiten mit Neusilber, einer geringf\u00fcgig kostspieligeren Legierung. Hierbei handelt es sich meist um luxuri\u00f6sere Uhren, denn Neusilber verkratzt leicht. Es bedarf grosser Sorgfalt, da diese Kratzer nicht ausgebessert werden k\u00f6nnen. In seltenen F\u00e4llen wird auch das leichtere, aber sehr harte Titan oder gar Gold verwendet. Diese Werkstoffe sind teurer, lassen sich aber leichter mit Diamanten besetzen als Stahl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Manpower<\/strong><\/p>\n<p>Der Arbeitsaufwand spielt beim Preis des Kalibers eine \u00fcbergeordnete Rolle. Das gleiche Kaliber kann je nach Vollendungen den f\u00fcnf-, zehn- oder gar dreissigfachen Preis haben. Die Behandlung der Oberfl\u00e4chen reicht von einer automatischen Sandstrahlung bis zum Hochglanzpolieren. Die Kanten k\u00f6nnen mit der Maschine oder von Hand abgeschr\u00e4gt werden. Alles steht und f\u00e4llt mit dem Glanz des Polierens, der Kantenverarbeitung und den Details: All diese Faktoren k\u00f6nnen nur in Arbeitsaufwand und -stunden veranschlagt werden. Das ist reine Handarbeit. In der Schweizer Uhrmacherei sind die Arbeitskr\u00e4fte hochqualifiziert und werden gut bezahlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/42_Art2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Montage<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Stadium besteht das Werk aus Einzelteilen, die es nun zusammenzusetzen gilt. Je einfacher ein Kaliber, desto schneller die Montage: weniger als eine Stunde mit sequenziellen manuellen Montageb\u00e4ndern. Je mehr Komplikationen und Bestandteile, desto h\u00f6her der Zeitaufwand, wobei sich dieser nicht linear steigert. Bei den gr\u00f6ssten Komplikationen dauert die Montage fast ein ganzes Jahr. Die Einstellzeit h\u00e4ngt direkt von der Entwicklungsqualit\u00e4t ab, was uns wieder zum urspr\u00fcnglichen Konzept des Kalibers und der Wahl von Unruh und Spirale zur\u00fcckf\u00fchrt. Je h\u00f6her die angestrebte Ganggenauigkeit, desto h\u00f6her der Zeitaufwand. Bei guten Tourbillons kann das mehrere Tage dauern. Nat\u00fcrlich addieren sich all diese Faktoren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Marge<\/strong><\/p>\n<p>Der letzte preisbestimmende Faktor hat nichts mit der aufgewendeten Zeit zu tun. Es geht um die Gewinnmarge. Bei intern gefertigten Werken kann die Marke selbst bestimmen, inwieweit die Kosten auf den Kunden \u00fcberw\u00e4lzt werden. Neulinge im Bereich Manufakturwerke, und von denen gibt es viele, k\u00f6nnen ihre Preise nicht einfach \u00fcber Nacht um 30-40% steigern unter dem Vorwand, dass sie nun hauseigene Kaliber herstellen. Der Anstieg der Kosten wird \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum verteilt, weil die Marke f\u00fcr eine Amortisation ihrer Investitionen auf einen langfristigen Erfolg hofft. Deshalb setzen die meisten auf die zweite Option, d.h. sie kaufen ein von einem Spezialisten entwickeltes Werk ein. Die Kosten sind die gleichen, steigen aber noch durch die Gewinnmarge des Zulieferers. Deshalb sind Skalenertr\u00e4ge in der Uhrenindustrie entscheidend: Je \u00f6fter ein Werk gefertigt wird, desto geringer sind die Kosten pro Einheit. Das ist und bleibt die Industrielogik, und die Uhr macht da keine Ausnahme.<\/p><\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Mechanikwerk ist ein kostspieliges Objekt und ein f\u00fcr den Preis einer Uhr entscheidender Faktor. Den Auftakt bildet die Entwicklung. Ein gesamtes Team braucht zwei Jahre f\u00fcr ein einfaches Werk und ganze vier Jahre f\u00fcr eine Komplikation. Die damit verbundenen Engineeringkosten sind hoch, zumal diese Investitionen Jahre vor dem Verkauf des ersten Zeitmessers get\u00e4tigt werden m\u00fcssen. Die Versuchung, eine Abk\u00fcrzung zu nehmen, ist deshalb gross. Es ist gang und g\u00e4be, ein bestehendes, anerkanntes und nicht mehr gesch\u00fctztes Werk leicht ver\u00e4ndert zu klonen. Sparen bei den Entwicklungskosten ist jedoch nur der Anfang, denn schliesslich will das Werk auch gefertigt werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Maschinen<\/strong><\/p>\n<p>Die Uhrmacherei ist und bleibt, egal was sie von sich selbst behauptet, eine Industrie. Sie verarbeitet, schneidet, durchbohrt und veredelt Metall und nutzt daf\u00fcr Werkzeugmaschinen. Es braucht mindestens 10 Millionen Schweizer Franken, um eine vielseitige kleine Werkstatt mit beschr\u00e4nkter Kapazit\u00e4t einzurichten. Gr\u00f6sse und Anzahl der Maschinen werden durch mehrere Faktoren bestimmt. Der erste ist die Anzahl Bestandteile, die das Werk z\u00e4hlen wird. Je weniger Teile, desto weniger Arbeitsschritte und tiefere Kosten. Der zweite Faktor ist die Form der Teile. Gerade Br\u00fccken, Federstege und flache Platine: Jede Vereinfachung reduziert die Einstell- und Betriebszeit der Maschinen und steigert ihre Produktivit\u00e4t. Die Verarbeitungsqualit\u00e4t ist grundlegend. Es gilt, ein Gleichgewicht zwischen der Zuverl\u00e4ssigkeit der Teile und ihrer \u00c4sthetik zu finden, um Nachbesserungen und zuk\u00fcnftige Probleme zu vermeiden. Selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4ngt die Gr\u00f6sse des Maschinenparks auch von den geplanten Produktionsmengen ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/42_Art1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Material<\/strong><\/p>\n<p>Das Material spielt bei der Preisfestsetzung des Werks kaum eine Rolle. Fast alle Werke sind aus Messing und z\u00e4hlen einige wenige Stahlteile. Messing ist kosteng\u00fcnstig, leicht zu bearbeiten und kann sch\u00f6n aussehen. Einige Marken arbeiten mit Neusilber, einer geringf\u00fcgig kostspieligeren Legierung. Hierbei handelt es sich meist um luxuri\u00f6sere Uhren, denn Neusilber verkratzt leicht. Es bedarf grosser Sorgfalt, da diese Kratzer nicht ausgebessert werden k\u00f6nnen. In seltenen F\u00e4llen wird auch das leichtere, aber sehr harte Titan oder gar Gold verwendet. Diese Werkstoffe sind teurer, lassen sich aber leichter mit Diamanten besetzen als Stahl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Manpower<\/strong><\/p>\n<p>Der Arbeitsaufwand spielt beim Preis des Kalibers eine \u00fcbergeordnete Rolle. Das gleiche Kaliber kann je nach Vollendungen den f\u00fcnf-, zehn- oder gar dreissigfachen Preis haben. Die Behandlung der Oberfl\u00e4chen reicht von einer automatischen Sandstrahlung bis zum Hochglanzpolieren. Die Kanten k\u00f6nnen mit der Maschine oder von Hand abgeschr\u00e4gt werden. Alles steht und f\u00e4llt mit dem Glanz des Polierens, der Kantenverarbeitung und den Details: All diese Faktoren k\u00f6nnen nur in Arbeitsaufwand und -stunden veranschlagt werden. Das ist reine Handarbeit. In der Schweizer Uhrmacherei sind die Arbeitskr\u00e4fte hochqualifiziert und werden gut bezahlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/42_Art2.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Montage<\/strong><\/p>\n<p>In diesem Stadium besteht das Werk aus Einzelteilen, die es nun zusammenzusetzen gilt. Je einfacher ein Kaliber, desto schneller die Montage: weniger als eine Stunde mit sequenziellen manuellen Montageb\u00e4ndern. Je mehr Komplikationen und Bestandteile, desto h\u00f6her der Zeitaufwand, wobei sich dieser nicht linear steigert. Bei den gr\u00f6ssten Komplikationen dauert die Montage fast ein ganzes Jahr. Die Einstellzeit h\u00e4ngt direkt von der Entwicklungsqualit\u00e4t ab, was uns wieder zum urspr\u00fcnglichen Konzept des Kalibers und der Wahl von Unruh und Spirale zur\u00fcckf\u00fchrt. Je h\u00f6her die angestrebte Ganggenauigkeit, desto h\u00f6her der Zeitaufwand. Bei guten Tourbillons kann das mehrere Tage dauern. Nat\u00fcrlich addieren sich all diese Faktoren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Marge<\/strong><\/p>\n<p>Der letzte preisbestimmende Faktor hat nichts mit der aufgewendeten Zeit zu tun. Es geht um die Gewinnmarge. Bei intern gefertigten Werken kann die Marke selbst bestimmen, inwieweit die Kosten auf den Kunden \u00fcberw\u00e4lzt werden. Neulinge im Bereich Manufakturwerke, und von denen gibt es viele, k\u00f6nnen ihre Preise nicht einfach \u00fcber Nacht um 30-40% steigern unter dem Vorwand, dass sie nun hauseigene Kaliber herstellen. Der Anstieg der Kosten wird \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum verteilt, weil die Marke f\u00fcr eine Amortisation ihrer Investitionen auf einen langfristigen Erfolg hofft. Deshalb setzen die meisten auf die zweite Option, d.h. sie kaufen ein von einem Spezialisten entwickeltes Werk ein. Die Kosten sind die gleichen, steigen aber noch durch die Gewinnmarge des Zulieferers. Deshalb sind Skalenertr\u00e4ge in der Uhrenindustrie entscheidend: Je \u00f6fter ein Werk gefertigt wird, desto geringer sind die Kosten pro Einheit. 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