{"id":9276,"date":"2015-06-16T08:00:48","date_gmt":"2015-06-16T07:00:48","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=9276"},"modified":"2015-06-15T12:58:28","modified_gmt":"2015-06-15T11:58:28","slug":"spannende-spirale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/technik-n-de\/technik\/spannende-spirale.html","title":{"rendered":"Spannende Spirale"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"contenu_article\">Alles steht und f\u00e4llt mit der Spirale. Diese mit der Unruh gekoppelte, flache kleine Feder bestimmt den Rhythmus der Uhr und wird dabei von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Einige davon wie Temperatur, Luftdruck und Magnetfelder sind extern. Der Werkstoff, aus dem die Spirale gefertigt wird, kann hier teilweise Abhilfe schaffen. Andere Faktoren sind intern und betreffen ihre Verformbarkeit, ihren Schwerpunkt und ihr Gewicht. Seit f\u00fcnf Jahren wird extrem viel Forschung rund um die Spirale betrieben. Einige Innovationen gr\u00fcnden auf Erkenntnissen der Vergangenheit, andere sind resolut zukunftsorientiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ende<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Innovationsschub im Bereich der Spirale ist kein Zufall. Lange Zeit wurden fast alle Spiralen von der Swatch-Group-Tochter Nivarox gefertigt, die dann eine drastische Senkung der Liefervolumen ank\u00fcndigte. Ihre Kunden, d.h. die meisten Uhrenmarken, mussten sich deshalb pl\u00f6tzlich erstmals mit diesem kleinen Teil auseinandersetzen. Rund ein Dutzend neue Hersteller schossen wie Pilze aus dem Boden, und bestimmte Marken sicherten sich die Produktion. Die meisten verwenden Metalllegierungen wie Eisennickel und unterscheiden sich nur durch ihre Fertigungsverfahren. Die Geometrie einer Spirale bestimmt ihr Verhalten, vor allem die Form ihres \u00e4usseren Endes. Diese sogenannte Endkurve ver\u00e4ndert die Schwingung, die Stabilit\u00e4t des Schwerpunkts und die Regelm\u00e4ssigkeit der Frequenz. Eine andere L\u00f6sung ist das schraubenf\u00f6rmige Aufwickeln der Feder. Die zylinderf\u00f6rmige Spirale hat die Form einer Schraubenfeder, wie Bovet sie f\u00fcr das Modell Braveheart verwendet. Die Kugelspirale ist eine von Jaeger-LeCoultre verwendete kugelf\u00f6rmige Variante. Beide sind schwerer und komplexer als eine flache Spirale, symbolisieren aber Prestige (nicht unerheblich) und schwingen sehr nah am Schwerpunkt. Sie vermeiden so Schwerpunktverlagerungen und weisen eine geringere Reibung auf, sodass ihre Energie voll und ganz der Qualit\u00e4t der Schwingungen zugutekommt. H. Moser &amp; Cie sowie Laurent Ferrier streben mit ihrer Doppelspirale nach genau dieser Wirkung. Beide Spiralen werden dabei umgekehrt zueinander auf der gleichen Unruh verankert. Schwenkt eine nach links aus, gleicht die andere diese Bewegung nach rechts aus, und gemeinsam garantieren sie so eine verbesserte Chronometrie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/42_Innovation1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eisen<\/strong><\/p>\n<p>Metallspiralen haben allerdings ihre Grenzen. Auch Neuentwicklungen wie die unl\u00e4ngst von Rolex pr\u00e4sentierte Parachrom-Spirale bleiben anf\u00e4llig f\u00fcr Magnetfelder, den Alterungsprozess und W\u00e4rme. Generationen von Uhrmachern, Wissenschaftlern und Metallurgen forschten im Bereich der Werkstoffe und probierten fast alles aus, sogar Glas. Cartier wagte diesbez\u00fcglich beim Regulierorgan der Concept Watch ID2 einen neuen Vorstoss mit Zerodur. Dabei handelt es sich um eine f\u00fcr Teleskopspiegel verwendete Glaskeramik. Die meisten Neuerungen betreffen jedoch die Siliziumspirale: reibungsfrei, amagnetisch und gegen Temperatur- sowie Luftdruckschwankungen gefeit. Patek Philippe, Omega, Breguet und Sigatec, der offizielle Lieferant von Ulysse Nardin sowie unl\u00e4ngst auch Tudor, nutzen diese Vorteile.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eigenschaften<\/strong><\/p>\n<p>Silizium hat eine weithin unbekannte Eigenschaft, da man aus diesem Material jede gew\u00fcnschte Form ausstanzen kann. Von einer Siliziumplatte ausgehend k\u00f6nnen alle f\u00fcr die Qualit\u00e4t wichtigen, aber unsichtbaren Dinge perfekt definiert werden: Verankerung, Kurve, Ebenheit und Befestigung auf der Unruh. Rolex wusste dar\u00fcber Bescheid und lancierte den eigenen Werkstoff Syloxi. Verschiedene Marken nutzen das Ergebnis eigener Forschung mit f\u00fcr das blosse Auge sichtbaren Unterschieden. Die Spirale ist eine schier unersch\u00f6pfliche Inspirationsquelle, und all diese Bem\u00fchungen f\u00fchren tats\u00e4chlich zu markanten Fortschritten bez\u00fcglich Zuverl\u00e4ssigkeit und Genauigkeit. Was k\u00f6nnte man sich von einer Innovation Sch\u00f6neres erhoffen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Lesen Sie das erste Kapitel dieser Serie (Zifferblatt) \u00a0<\/em><em>in der Rubrik <strong><a href=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=8990&amp;lang=de\" target=\"_blank\">12. Kunst auf gmtmag.com.<\/a><\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong><\/strong><\/em><\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles steht und f\u00e4llt mit der Spirale. Diese mit der Unruh gekoppelte, flache kleine Feder bestimmt den Rhythmus der Uhr und wird dabei von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst. Einige davon wie Temperatur, Luftdruck und Magnetfelder sind extern. Der Werkstoff, aus dem die Spirale gefertigt wird, kann hier teilweise Abhilfe schaffen. Andere Faktoren sind intern und betreffen ihre Verformbarkeit, ihren Schwerpunkt und ihr Gewicht. Seit f\u00fcnf Jahren wird extrem viel Forschung rund um die Spirale betrieben. Einige Innovationen gr\u00fcnden auf Erkenntnissen der Vergangenheit, andere sind resolut zukunftsorientiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Ende<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Innovationsschub im Bereich der Spirale ist kein Zufall. Lange Zeit wurden fast alle Spiralen von der Swatch-Group-Tochter Nivarox gefertigt, die dann eine drastische Senkung der Liefervolumen ank\u00fcndigte. Ihre Kunden, d.h. die meisten Uhrenmarken, mussten sich deshalb pl\u00f6tzlich erstmals mit diesem kleinen Teil auseinandersetzen. Rund ein Dutzend neue Hersteller schossen wie Pilze aus dem Boden, und bestimmte Marken sicherten sich die Produktion. Die meisten verwenden Metalllegierungen wie Eisennickel und unterscheiden sich nur durch ihre Fertigungsverfahren. Die Geometrie einer Spirale bestimmt ihr Verhalten, vor allem die Form ihres \u00e4usseren Endes. Diese sogenannte Endkurve ver\u00e4ndert die Schwingung, die Stabilit\u00e4t des Schwerpunkts und die Regelm\u00e4ssigkeit der Frequenz. Eine andere L\u00f6sung ist das schraubenf\u00f6rmige Aufwickeln der Feder. Die zylinderf\u00f6rmige Spirale hat die Form einer Schraubenfeder, wie Bovet sie f\u00fcr das Modell Braveheart verwendet. Die Kugelspirale ist eine von Jaeger-LeCoultre verwendete kugelf\u00f6rmige Variante. Beide sind schwerer und komplexer als eine flache Spirale, symbolisieren aber Prestige (nicht unerheblich) und schwingen sehr nah am Schwerpunkt. Sie vermeiden so Schwerpunktverlagerungen und weisen eine geringere Reibung auf, sodass ihre Energie voll und ganz der Qualit\u00e4t der Schwingungen zugutekommt. H. Moser &amp; Cie sowie Laurent Ferrier streben mit ihrer Doppelspirale nach genau dieser Wirkung. Beide Spiralen werden dabei umgekehrt zueinander auf der gleichen Unruh verankert. Schwenkt eine nach links aus, gleicht die andere diese Bewegung nach rechts aus, und gemeinsam garantieren sie so eine verbesserte Chronometrie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/42_Innovation1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eisen<\/strong><\/p>\n<p>Metallspiralen haben allerdings ihre Grenzen. Auch Neuentwicklungen wie die unl\u00e4ngst von Rolex pr\u00e4sentierte Parachrom-Spirale bleiben anf\u00e4llig f\u00fcr Magnetfelder, den Alterungsprozess und W\u00e4rme. Generationen von Uhrmachern, Wissenschaftlern und Metallurgen forschten im Bereich der Werkstoffe und probierten fast alles aus, sogar Glas. Cartier wagte diesbez\u00fcglich beim Regulierorgan der Concept Watch ID2 einen neuen Vorstoss mit Zerodur. Dabei handelt es sich um eine f\u00fcr Teleskopspiegel verwendete Glaskeramik. Die meisten Neuerungen betreffen jedoch die Siliziumspirale: reibungsfrei, amagnetisch und gegen Temperatur- sowie Luftdruckschwankungen gefeit. Patek Philippe, Omega, Breguet und Sigatec, der offizielle Lieferant von Ulysse Nardin sowie unl\u00e4ngst auch Tudor, nutzen diese Vorteile.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Eigenschaften<\/strong><\/p>\n<p>Silizium hat eine weithin unbekannte Eigenschaft, da man aus diesem Material jede gew\u00fcnschte Form ausstanzen kann. Von einer Siliziumplatte ausgehend k\u00f6nnen alle f\u00fcr die Qualit\u00e4t wichtigen, aber unsichtbaren Dinge perfekt definiert werden: Verankerung, Kurve, Ebenheit und Befestigung auf der Unruh. Rolex wusste dar\u00fcber Bescheid und lancierte den eigenen Werkstoff Syloxi. Verschiedene Marken nutzen das Ergebnis eigener Forschung mit f\u00fcr das blosse Auge sichtbaren Unterschieden. Die Spirale ist eine schier unersch\u00f6pfliche Inspirationsquelle, und all diese Bem\u00fchungen f\u00fchren tats\u00e4chlich zu markanten Fortschritten bez\u00fcglich Zuverl\u00e4ssigkeit und Genauigkeit. Was k\u00f6nnte man sich von einer Innovation Sch\u00f6neres erhoffen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Lesen Sie das erste Kapitel dieser Serie (Zifferblatt) \u00a0<\/em><em>in der Rubrik <strong><a href=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=8990&amp;lang=de\" target=\"_blank\">12. 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