{"id":9752,"date":"2015-10-15T09:00:53","date_gmt":"2015-10-15T08:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=9752"},"modified":"2015-10-12T14:36:56","modified_gmt":"2015-10-12T13:36:56","slug":"jedem-sein-werk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/technik-n-de\/technik\/jedem-sein-werk.html","title":{"rendered":"Jedem sein Werk!"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"contenu_article\"><strong>Oris Big Crown ProPilot<\/strong>, Kaliber 111 mit zehn Tagen Gangreserve<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bvlgari<\/strong> entwickelte und fertigte das hauseigene Basiskaliber BVL191<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Einzelh\u00e4ndler und Uhrmacher Wempe <\/strong>hat das exklusive Werk der Chronometerwerke Power Reserve bei MHVJ in Auftrag gegeben<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lange Zeit labten sich alle Uhrenmarken<strong> <\/strong>an der gleichen Quelle. Dutzende von Marken erstanden ihre Werke ungeachtet ihres Prestigeniveaus bei den Produktionsst\u00e4tten des Giganten Swatch Group. Doch dann versiegte die Quelle. Die Marken mussten zwangsl\u00e4ufig eine andere L\u00f6sung finden. Sie verwenden weiterhin Basiskaliber, entweder von der Swatch-Tochter ETA, wenn sie weiterhin ein gutes Verh\u00e4ltnis zur Swatch Group haben, oder von der Firma Sellita, die diese Kaliber sozusagen geklont hat. Andere hingegen warten nun mit intern entwickelten und gefertigten neuen Werken auf, die teilweise exklusiver und sogar besser sind. Diese Werke der j\u00fcngsten Generation sind einfach. Sie m\u00fcssen dem angestammten Preisniveau der Marken entsprechen. Doch wenn man schon einen so langwierigen und kostspieligen Ansatz verfolgt, muss auch noch ein kleiner Trumpf dabei herausspringen. Der aktuelle Trend geht vor allem in Richtung mehr Gangreserve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Doppeldeutig<\/strong><\/p>\n<p>Sobald von \u00abKaliber\u00bb und \u00abexklusiv\u00bb die Rede ist, denkt man fast automatisch an \u00abManufaktur\u00bb. Die Doppeldeutigkeit dieses Begriffs besteht immer noch, und viele Marken nutzen dies aus. Im engeren Sinne handelt es sich bei einem Manufakturkaliber um ein von der Marke selbst entwickeltes, gefertigtes und montiertes Werk. Doch eigentlich ist jedes Mechanikwerk ein Manufakturwerk, da es von Hand montiert wird. Dank dieser Doppeldeutigkeit behaupten viele Hersteller, Manufakturwerke anzubieten, ohne jedoch anzugeben, ob es aus eigener Werkstatt stammt oder von jemand anderem, der mehrere Kunden hat. In den Uhrent\u00e4lern wird weiterhin Geheimniskr\u00e4merei betrieben, obwohl dies in Zeiten von Internet und sozialen Netzwerken an Relevanz verloren hat. So kann man beispielsweise nicht erfahren, wen der deutsche Einzelh\u00e4ndler Wempe mit der Herstellung des Kalibers CW3 betraute, das in der Chronometerwerke Power Reserve tickt, auch wenn die Bauart stark an den Schweizer Werksbauer MHVJ erinnert. Bremont verheimlichte lange Zeit, dass sein Kaliber BWC\/01-10 bei La Joux-Perret in Auftrag gegeben wurde. Meistersinger und Christopher Ward machen hingegen keinen Hehl aus der Herkunft ihres Kalibers mit f\u00fcnf Tagen Gangreserve. Es stammt von einem Neuling unter den Werksbauern: Synergies Horlog\u00e8res. Bulgari und Tudor haben sich deutlich klassischer f\u00fcr die Entwicklung hauseigener Basiskaliber entschieden. Das in La Chaux-de-Fonds gefertigte BVL191 von Bulgari kam vor drei Jahren auf den Markt, und Tudor trumpfte unl\u00e4ngst mit dem ersten eigenen Kaliber MT5921 auf. Bemerkenswert ist hierbei die Geschwindigkeit, mit der die Marke ein ausgereiftes Automatikwerk mit Siliziumspirale und Chronometerzertifikat entwickeln konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/43_innovation1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tudor<\/strong> entwickelte allein das als Chronometer zertifizierte Automatikkaliber MT5621<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Bremont Jaguar MKI <\/strong>und ihr Kaliber BWC\/01-10 mit Rotor im Retro-Lenkradstil von La Joux-Perret<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nomos<\/strong> lanciert das flache und sparsame neue Automatikbasiskaliber DUW3001<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Meistersinger Circularis, <\/strong>Kaliber MSH01 von Synergies Horlog\u00e8res<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alleinstellungsmerkmal<\/strong><\/p>\n<p>Das Beh\u00e4ltnis spielt keine Rolle, Hauptsache die Pr\u00e4zision stimmt. Das Wettrennen um die Entwicklung neuer Kaliber l\u00e4uft auf Hochtouren. Neben dem Argument der Unabh\u00e4ngigkeit br\u00fcsten sich die Marken mit der Einzigartigkeit. Oberstes Ziel ist die Exklusivit\u00e4t, denn ein eigenes Werk ist das beste Alleinstellungsmerkmal. Die Personalisierung ist dabei das A und O: Ein Rotor mit Markenlogo ist ein \u00e4sthetisches Detail, das einen von der Konkurrenz unterscheidet. Manchmal geht es aber um viel mehr als nur ein Detail. Oris hat sich statt f\u00fcr die fast unverr\u00fcckbaren 48 Stunden Gangreserve f\u00fcr zehn Tage entschieden. Das Kaliber 110 wurde gerade von der j\u00fcngsten Version 111 mit Datum zus\u00e4tzlich zur nicht linearen Gangreserve abgel\u00f6st. Diese Marke, einst ein bedeutender Uhrenhersteller, kn\u00fcpft so an den Ruhm vergangener Zeiten an. Der deutschen Marke Nomos, die gerade ein neues flaches und besonders sparsames Automatikwerk lanciert hat, liegt das auch im Blut. Prestige, Herkunft und Komplexit\u00e4t variieren bei den aktuellen Innovationen stark. Alle bereichern jedoch die Uhrenlandschaft. Sie r\u00e4umen mit der mechanischen Monotonie im unteren und mittleren Segment \u2013 dem Herzst\u00fcck der Schweizer Uhrenindustrie \u2013 auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Oris Big Crown ProPilot<\/strong>, Kaliber 111 mit zehn Tagen Gangreserve<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bvlgari<\/strong> entwickelte und fertigte das hauseigene Basiskaliber BVL191<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Der Einzelh\u00e4ndler und Uhrmacher Wempe <\/strong>hat das exklusive Werk der Chronometerwerke Power Reserve bei MHVJ in Auftrag gegeben<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lange Zeit labten sich alle Uhrenmarken<strong> <\/strong>an der gleichen Quelle. Dutzende von Marken erstanden ihre Werke ungeachtet ihres Prestigeniveaus bei den Produktionsst\u00e4tten des Giganten Swatch Group. Doch dann versiegte die Quelle. Die Marken mussten zwangsl\u00e4ufig eine andere L\u00f6sung finden. Sie verwenden weiterhin Basiskaliber, entweder von der Swatch-Tochter ETA, wenn sie weiterhin ein gutes Verh\u00e4ltnis zur Swatch Group haben, oder von der Firma Sellita, die diese Kaliber sozusagen geklont hat. Andere hingegen warten nun mit intern entwickelten und gefertigten neuen Werken auf, die teilweise exklusiver und sogar besser sind. Diese Werke der j\u00fcngsten Generation sind einfach. Sie m\u00fcssen dem angestammten Preisniveau der Marken entsprechen. Doch wenn man schon einen so langwierigen und kostspieligen Ansatz verfolgt, muss auch noch ein kleiner Trumpf dabei herausspringen. Der aktuelle Trend geht vor allem in Richtung mehr Gangreserve.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Doppeldeutig<\/strong><\/p>\n<p>Sobald von \u00abKaliber\u00bb und \u00abexklusiv\u00bb die Rede ist, denkt man fast automatisch an \u00abManufaktur\u00bb. Die Doppeldeutigkeit dieses Begriffs besteht immer noch, und viele Marken nutzen dies aus. Im engeren Sinne handelt es sich bei einem Manufakturkaliber um ein von der Marke selbst entwickeltes, gefertigtes und montiertes Werk. Doch eigentlich ist jedes Mechanikwerk ein Manufakturwerk, da es von Hand montiert wird. Dank dieser Doppeldeutigkeit behaupten viele Hersteller, Manufakturwerke anzubieten, ohne jedoch anzugeben, ob es aus eigener Werkstatt stammt oder von jemand anderem, der mehrere Kunden hat. In den Uhrent\u00e4lern wird weiterhin Geheimniskr\u00e4merei betrieben, obwohl dies in Zeiten von Internet und sozialen Netzwerken an Relevanz verloren hat. So kann man beispielsweise nicht erfahren, wen der deutsche Einzelh\u00e4ndler Wempe mit der Herstellung des Kalibers CW3 betraute, das in der Chronometerwerke Power Reserve tickt, auch wenn die Bauart stark an den Schweizer Werksbauer MHVJ erinnert. Bremont verheimlichte lange Zeit, dass sein Kaliber BWC\/01-10 bei La Joux-Perret in Auftrag gegeben wurde. Meistersinger und Christopher Ward machen hingegen keinen Hehl aus der Herkunft ihres Kalibers mit f\u00fcnf Tagen Gangreserve. Es stammt von einem Neuling unter den Werksbauern: Synergies Horlog\u00e8res. Bulgari und Tudor haben sich deutlich klassischer f\u00fcr die Entwicklung hauseigener Basiskaliber entschieden. Das in La Chaux-de-Fonds gefertigte BVL191 von Bulgari kam vor drei Jahren auf den Markt, und Tudor trumpfte unl\u00e4ngst mit dem ersten eigenen Kaliber MT5921 auf. Bemerkenswert ist hierbei die Geschwindigkeit, mit der die Marke ein ausgereiftes Automatikwerk mit Siliziumspirale und Chronometerzertifikat entwickeln konnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" title=\"\" src=\"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/43_innovation1.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"358\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Tudor<\/strong> entwickelte allein das als Chronometer zertifizierte Automatikkaliber MT5621<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Bremont Jaguar MKI <\/strong>und ihr Kaliber BWC\/01-10 mit Rotor im Retro-Lenkradstil von La Joux-Perret<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Nomos<\/strong> lanciert das flache und sparsame neue Automatikbasiskaliber DUW3001<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Meistersinger Circularis, <\/strong>Kaliber MSH01 von Synergies Horlog\u00e8res<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Alleinstellungsmerkmal<\/strong><\/p>\n<p>Das Beh\u00e4ltnis spielt keine Rolle, Hauptsache die Pr\u00e4zision stimmt. Das Wettrennen um die Entwicklung neuer Kaliber l\u00e4uft auf Hochtouren. Neben dem Argument der Unabh\u00e4ngigkeit br\u00fcsten sich die Marken mit der Einzigartigkeit. Oberstes Ziel ist die Exklusivit\u00e4t, denn ein eigenes Werk ist das beste Alleinstellungsmerkmal. Die Personalisierung ist dabei das A und O: Ein Rotor mit Markenlogo ist ein \u00e4sthetisches Detail, das einen von der Konkurrenz unterscheidet. Manchmal geht es aber um viel mehr als nur ein Detail. Oris hat sich statt f\u00fcr die fast unverr\u00fcckbaren 48 Stunden Gangreserve f\u00fcr zehn Tage entschieden. Das Kaliber 110 wurde gerade von der j\u00fcngsten Version 111 mit Datum zus\u00e4tzlich zur nicht linearen Gangreserve abgel\u00f6st. Diese Marke, einst ein bedeutender Uhrenhersteller, kn\u00fcpft so an den Ruhm vergangener Zeiten an. Der deutschen Marke Nomos, die gerade ein neues flaches und besonders sparsames Automatikwerk lanciert hat, liegt das auch im Blut. Prestige, Herkunft und Komplexit\u00e4t variieren bei den aktuellen Innovationen stark. Alle bereichern jedoch die Uhrenlandschaft. Sie r\u00e4umen mit der mechanischen Monotonie im unteren und mittleren Segment \u2013 dem Herzst\u00fcck der Schweizer Uhrenindustrie \u2013 auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"author":53,"featured_media":9743,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[506],"tags":[703,580,702,665,604,322,704],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9752"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/53"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9752"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9752\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9753,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9752\/revisions\/9753"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9743"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9752"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9752"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9752"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}