{"id":9914,"date":"2015-10-15T10:34:27","date_gmt":"2015-10-15T09:34:27","guid":{"rendered":"http:\/\/preprod.gmtmag.com\/?p=9914"},"modified":"2015-10-15T10:34:27","modified_gmt":"2015-10-15T09:34:27","slug":"philippe-leopold-metzger-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.gmtmag.com\/de\/business-n-de\/interview-3\/philippe-leopold-metzger-3.html","title":{"rendered":"Philippe L\u00e9opold-Metzger : CEO von Piaget"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"contenu_article\"><strong>Der GPHG hat bei keiner anderen teilnehmenden Marke sechs Uhren ausgew\u00e4hlt. Wie haben Sie auf diese Nachricht reagiert?<\/strong><\/p>\n<p>Als Erstes war ich sehr gl\u00fccklich, wieder am GPHG vertreten zu sein, denn an diesem Wettbewerb nehmen jetzt fast alle bedeutenden Marken teil, und ich hoffe, dass dies auch in der Zukunft so bleiben wird. Es liegt im Interesse der ganzen Uhrenindustrie, sich auf einen Grand Prix als unanfechtbare Referenz, zu der er unzweifelhaft geworden ist, zu einigen. Das Dekor im Genfer Grand Th\u00e9\u00e2tre ist spektakul\u00e4r und der Weitblick der Gr\u00fcnder von damals beeindruckend. Ferner verleihen ihm die Teilnahme von eidgen\u00f6ssischen und kantonalen Beh\u00f6rden, die mittlerweile internationale Aura und vor allem die Zusammensetzung der Jury eine unvergleichliche Glaubw\u00fcrdigkeit. Die Schaffung neuer Kategorien ist ebenfalls eine gute Idee, denn so k\u00f6nnen auch in unterschiedlichen Facetten der Uhrmacherei t\u00e4tige Marken ausgezeichnet werden. Piaget hat den GPHG in der Vergangenheit stark unterst\u00fctzt und wird es auch in Zukunft tun. Um auf Ihre Frage zu antworten: Wir waren nat\u00fcrlich sehr erfreut, zumal die ausgew\u00e4hlten Uhren f\u00fcr Piaget sehr typisch sind. Wir haben nicht die Uhren mit den meisten Edelsteinen, sondern die f\u00fcr unsere Marke zurzeit emblematischsten Modelle eingereicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bei welchem Modell freut es Sie am meisten,\u00a0<\/strong><strong>dass es ausgew\u00e4hlt wurde?<\/strong><\/p>\n<p>Piaget ist als Spezialist f\u00fcr flache Uhren bekannt, und deshalb wundert uns die Auswahl der Altiplano nicht. Die Auswahl der Altiplano Scrimshaw in der Kategorie Kunsthandwerk war hingegen \u00fcberraschender. Piaget hat in den 1960er- und 1970er-Jahren viel im Bereich der Handwerksk\u00fcnste gemacht, ohne es jedoch an die grosse Glocke zu h\u00e4ngen. Mit unserer Kollektion Art &amp; Excellence kn\u00fcpfen wir seit ein paar Jahren erneut an diese Tradition an. Wir stellen diese Modelle normalerweise gemeinsam mit Schmuckkreationen zu Anl\u00e4ssen wie der Biennale in Paris aus. Diese Kollektion umfasst jedoch 38 in sehr begrenzter Auflage oder als Unikate gefertigte Modelle. Wir arbeiten schon lange mit Email, haben aber im Laufe der Zeit auch andere kunsthandwerkliche Techniken wie Bolino-Gravur (Federstich), Scrimshaw, Mikromosaik, Stickerei und Lack wieder aufleben lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcnschen Sie sich noch f\u00fcr den Grand Prix d\u2019Horlogerie\u00a0<\/strong><strong>de Gen\u00e8ve?<\/strong><\/p>\n<p>Der GPHG ist heute gut strukturiert, die Jury sehr repr\u00e4sentativ, und alles funktioniert bestens. Selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcssten alle Genfer Marken begreifen, dass sie beim GPHG dabei sein sollten. Bei der Oscar-Verleihung nehmen auch alle Filmstudios teil, obwohl nur einige wenige ausgezeichnet werden. Der GPHG wirft ein positives Licht auf unsere Industrie, sorgt f\u00fcr Aufsehen und interessiert das breite Publikum sowie die Medien. Kurz und gut, er wirkt sich insgesamt positiv auf die ganze Industrie aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Piaget nimmt zum sechsten Mal an der Only Watch teil.\u00a0<\/strong><strong>Wie wichtig erscheint Ihnen diese alle zwei Jahre stattfindende Versteigerung?<\/strong><\/p>\n<p>Piaget war im Benefizbereich schon immer sehr aktiv. Wir unterst\u00fctzen viele interessante Projekte bei der Mittelbeschaffung. Piaget erachtet das als wohlt\u00e4tige Aktion und nicht als Kommunikationschiene wie viele andere Marken. Die Only Watch sollte sich nicht zum Barometer f\u00fcr den Wert der Marken entwickeln. Ich weiss noch nicht, wie Piaget sich nach dieser n\u00e4chsten Ausgabe verhalten wird und ob wir unsere Strategie diesbez\u00fcglich anpassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was halten Sie von der Erweiterung des SIHH um neun kleine\u00a0<\/strong><strong>unabh\u00e4ngige Marken?<\/strong><\/p>\n<p>Das stimmt mit der langfristigen Strategie \u00fcberein: Der SIHH hat von Anfang an Marken wie Roger Dubuis oder Franck Muller aufgenommen und ihnen als Sprungbrett gedient. Die Logik bleibt die gleiche. Es handelt sich um Marken, die nun ihre Reife und Meisterhaftigkeit unter Beweis gestellt haben und zu einer hochwertigen Konkurrenz geworden sind. Das zeigt gleichzeitig auch, dass die Stiftung f\u00fcr hohe Uhrmachkunst gegen\u00fcber Richemont doch relativ unabh\u00e4ngig ist und sich selbst f\u00fcr die Langlebigkeit des Sektors einsetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Sehen Sie trotz der ungewissen Konjunkturlage positive\u00a0<\/strong><strong>Entwicklungszeichen f\u00fcr die Uhrenindustrie?<\/strong><\/p>\n<p>Absolut. Es stimmt, dass man beim Lesen der aktuellen Wirtschaftspresse sehr depressiv werden kann. Ich stelle gleichzeitig jedoch fest, dass die meisten Konzerne weiter wachsen. Dies gilt beispielsweise f\u00fcr die Richemont-Gruppe, die f\u00fcr die ersten f\u00fcnf Monate in Europa ein Umsatzwachstum von 16% in Euro und von 4% in konstanten Wechselkursen bekanntgegeben hat. Juwelieren geht es derzeit besser als Uhrmachern, weil sich Schmuck im Moment besser verkauft als Uhren. Ausserdem ist die Preissensibilit\u00e4t der Kunden allgemein gestiegen. Dennoch gehen weiterhin sehr komplizierte Zeitmesser und erlesene Schmuckuhren zu hohen Preisen \u00fcber den Ladentisch. Es gibt auch heute noch Menschen, die neu reich werden, vor allem in China. Rein geografisch gibt es viele Ver\u00e4nderungen, denn die Kunden konsumieren nicht mehr unbedingt an den gleichen Orten und reisen viel mehr. Wir m\u00fcssen es schaffen, ihre Aufmerksamkeit auf uns zu lenken. Die sehr vielf\u00e4ltige Medienlandschaft im Uhrensektor und die neuen digitalen Medien helfen uns dabei, genau wie die Markenboutiquen: Die Kunden sind heute \u00fcberinformiert, doch das steigert auch ihren Appetit. Die Schlagkraft der Marken, die immer solider und kreativer werden als in der Vergangenheit, ist f\u00fcr mich ein gutes Omen. Unser Pioniergeist im Bereich ultraflache Uhren sch\u00fctzt uns nicht mehr vor der Konkurrenz. Dies gilt gleichermassen f\u00fcr Vacheron Constantin im Bereich Kunsthandwerk \u2013 trotz der langj\u00e4hrigen Federf\u00fchrung. Die Marken entwickeln sich heute in sehr vielen verschiedenen Nischen, und der Wettbewerb wird immer h\u00e4rter. Das wirtschaftliche Potenzial ist vorhanden, aber wir m\u00fcssen flexibler sein als in der Vergangenheit.<\/p><\/div>\n<p><\/br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Der GPHG hat bei keiner anderen teilnehmenden Marke sechs Uhren ausgew\u00e4hlt. Wie haben Sie auf diese Nachricht reagiert?<\/strong><\/p>\n<p>Als Erstes war ich sehr gl\u00fccklich, wieder am GPHG vertreten zu sein, denn an diesem Wettbewerb nehmen jetzt fast alle bedeutenden Marken teil, und ich hoffe, dass dies auch in der Zukunft so bleiben wird. Es liegt im Interesse der ganzen Uhrenindustrie, sich auf einen Grand Prix als unanfechtbare Referenz, zu der er unzweifelhaft geworden ist, zu einigen. Das Dekor im Genfer Grand Th\u00e9\u00e2tre ist spektakul\u00e4r und der Weitblick der Gr\u00fcnder von damals beeindruckend. Ferner verleihen ihm die Teilnahme von eidgen\u00f6ssischen und kantonalen Beh\u00f6rden, die mittlerweile internationale Aura und vor allem die Zusammensetzung der Jury eine unvergleichliche Glaubw\u00fcrdigkeit. Die Schaffung neuer Kategorien ist ebenfalls eine gute Idee, denn so k\u00f6nnen auch in unterschiedlichen Facetten der Uhrmacherei t\u00e4tige Marken ausgezeichnet werden. Piaget hat den GPHG in der Vergangenheit stark unterst\u00fctzt und wird es auch in Zukunft tun. Um auf Ihre Frage zu antworten: Wir waren nat\u00fcrlich sehr erfreut, zumal die ausgew\u00e4hlten Uhren f\u00fcr Piaget sehr typisch sind. Wir haben nicht die Uhren mit den meisten Edelsteinen, sondern die f\u00fcr unsere Marke zurzeit emblematischsten Modelle eingereicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bei welchem Modell freut es Sie am meisten,\u00a0<\/strong><strong>dass es ausgew\u00e4hlt wurde?<\/strong><\/p>\n<p>Piaget ist als Spezialist f\u00fcr flache Uhren bekannt, und deshalb wundert uns die Auswahl der Altiplano nicht. Die Auswahl der Altiplano Scrimshaw in der Kategorie Kunsthandwerk war hingegen \u00fcberraschender. Piaget hat in den 1960er- und 1970er-Jahren viel im Bereich der Handwerksk\u00fcnste gemacht, ohne es jedoch an die grosse Glocke zu h\u00e4ngen. Mit unserer Kollektion Art &amp; Excellence kn\u00fcpfen wir seit ein paar Jahren erneut an diese Tradition an. Wir stellen diese Modelle normalerweise gemeinsam mit Schmuckkreationen zu Anl\u00e4ssen wie der Biennale in Paris aus. Diese Kollektion umfasst jedoch 38 in sehr begrenzter Auflage oder als Unikate gefertigte Modelle. Wir arbeiten schon lange mit Email, haben aber im Laufe der Zeit auch andere kunsthandwerkliche Techniken wie Bolino-Gravur (Federstich), Scrimshaw, Mikromosaik, Stickerei und Lack wieder aufleben lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was w\u00fcnschen Sie sich noch f\u00fcr den Grand Prix d\u2019Horlogerie\u00a0<\/strong><strong>de Gen\u00e8ve?<\/strong><\/p>\n<p>Der GPHG ist heute gut strukturiert, die Jury sehr repr\u00e4sentativ, und alles funktioniert bestens. Selbstverst\u00e4ndlich m\u00fcssten alle Genfer Marken begreifen, dass sie beim GPHG dabei sein sollten. Bei der Oscar-Verleihung nehmen auch alle Filmstudios teil, obwohl nur einige wenige ausgezeichnet werden. Der GPHG wirft ein positives Licht auf unsere Industrie, sorgt f\u00fcr Aufsehen und interessiert das breite Publikum sowie die Medien. Kurz und gut, er wirkt sich insgesamt positiv auf die ganze Industrie aus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Piaget nimmt zum sechsten Mal an der Only Watch teil.\u00a0<\/strong><strong>Wie wichtig erscheint Ihnen diese alle zwei Jahre stattfindende Versteigerung?<\/strong><\/p>\n<p>Piaget war im Benefizbereich schon immer sehr aktiv. Wir unterst\u00fctzen viele interessante Projekte bei der Mittelbeschaffung. Piaget erachtet das als wohlt\u00e4tige Aktion und nicht als Kommunikationschiene wie viele andere Marken. Die Only Watch sollte sich nicht zum Barometer f\u00fcr den Wert der Marken entwickeln. Ich weiss noch nicht, wie Piaget sich nach dieser n\u00e4chsten Ausgabe verhalten wird und ob wir unsere Strategie diesbez\u00fcglich anpassen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Was halten Sie von der Erweiterung des SIHH um neun kleine\u00a0<\/strong><strong>unabh\u00e4ngige Marken?<\/strong><\/p>\n<p>Das stimmt mit der langfristigen Strategie \u00fcberein: Der SIHH hat von Anfang an Marken wie Roger Dubuis oder Franck Muller aufgenommen und ihnen als Sprungbrett gedient. Die Logik bleibt die gleiche. Es handelt sich um Marken, die nun ihre Reife und Meisterhaftigkeit unter Beweis gestellt haben und zu einer hochwertigen Konkurrenz geworden sind. 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