Tudor : Heritage Black Bay Chronograph

Tudor (1)

Zur Einweihung des neuen Layouts Ihres Lieblingsmagazins hat sich die Redaktion von GMT für eine in vielerlei Hinsicht erstaunliche Uhr entschieden: den Tudor Heritage Black Bay Chronograph. Das Genfer Haus kann seit den 1970er-Jahren auf eine lange Erfahrung in der Herstellung dieses Uhrentyps zurückblicken. Wir wollten wissen, wie es sein Know-how zur Lancierung dieses Klassikers in der Version 2017 weiterentwickelt hat.

AUSSTATTUNG:

Tudor-5Bei der Ausstattung gibt es keine Überraschungen. Den Chronographen mit dem Namen «Heritage» nach technischen und ästhetischen Entwicklungen der letzten 30 Jahre abzusuchen, käme einem Fehlersuchbild gleich. Aber wie heisst es doch so schön? Never change a winning team. In diesem Fall hat der Verfasser dieser Zeilen die Uhr mit der 1989 lancierten Version des Prince Oysterdate Chronograph (ihrem Vorfahren) verglichen. Das Edelstahlgehäuse hat noch immer einen Durchmesser von 41 mm und besticht durch vertikal «eingeschnittene» Mittelteilflanken. Die Lünette trägt noch immer eine gravierte Tachometerskala. Das Kunststoffglas von 1989 hingegen ist einem Saphirglas gewichen, dieses Mal jedoch ohne Lupe für das Datum. Die einst der grossen Schwester der Marke entliehene Krone wurde neu gestaltet. Krone, Drücker und verschraubter Vollboden garantieren dieser Uhr eine zertifizierte Wasserdichtheit bis 200 m.
Auch wenn Stil und Identität von Zifferblatt und Zeigern gleich geblieben sind, haben sie sich doch weiterentwickelt, um mit der aktuellen Kollektion im Einklang zu sein und um die Lesbarkeit – insbesondere in der Nacht – zu verbessern.

WERK:

Tudor-2Hier sind die meisten Neuerungen sichtbar. Auch wenn es sich nicht um hohe Uhrmacherkunst handelt, ist Tudor doch ein Meisterstück gelungen. Es ist bereits bekannt, dass Tudor und Breitling jüngst eine Kooperation für eine gemeinsame Verwendung von Kalibern eingegangen sind. So verfügt Breitling über das Automatikwerk von Tudor, und der Genfer Uhrmacher rüstet im Gegenzug diesen Chronographen mit einem Breitling-Kaliber aus. Diese Kaliber-Partnerschaft ist in Sachen Kostenoptimierung ein brillanter Schachzug, denn der Automatikchronograph mit Säulenrad, vertikaler Kupplung und Datumsanzeige kostet weniger als CHF 5000.
Neben den wenig markanten äusseren Unterschieden zeichnet sich die Tudor-Version dieses Kalibers mit 70 Stunden Gangreserve vielmehr durch ihr Regulierorgan mit variablem Trägheitsmoment aus, was die Ganggenauigkeit deutlich verbessern dürfte. Für etwas Abwechslung sorgt der 45-Minuten-Zähler, der an die Stelle des 30-Minuten-Zählers getreten ist.

TESTS:

Es grenzt an eine echte Meisterleistung, eine Uhr, deren Kaliber mit derartigen technischen Finessen ausgestattet ist, zu diesem Preis anzubieten – sogar wenn man die dem Genfer Haus industriell zur Verfügung stehenden Mittel bedenkt. Die technischen Besonderheiten der Ausstattung sind seit mehreren Jahrzehnten ein Begriff und die Robustheit und Präzision über jeden Zweifel erhaben. Aber kann das Kaliber MT 5813 auch mit dem Valjoux 7750 mithalten, mit dem die Vorfahren dieser neuen Referenz bestückt wurden? Die Ergebnisse unserer Messungen (siehe nachfolgende Tabelle) sind einfach verblüffend. Die Ganggenauigkeit ist beispielhaft, und die Amplitudenverluste in vertikalen Stellungen oder bei eingeschaltetem Chronographen sind minimal. Das Kaliber MT 5813 ist nicht nur eine Überraschung, sondern eindeutig eine Offenbarung.

Mesures-banc-d'essai

FAZIT:

Obwohl der Tudor Heritage Black Bay Chronograph für beinahe alle Geldbörsen erschwinglich ist, geht er hinsichtlich des in seiner Kategorie erwarteten Qualitätsniveaus keine Kompromisse ein. Fern jeder finanziellen Überlegung ist er heute sicherlich einer der besten Chronographen des Markts. Diese Uhr ist nicht nur überaus gelungen, sie symbolisiert möglicherweise vielmehr die Rettung der Schweizer Uhrmacherei, die es im Laufe der letzten Jahrzehnte nicht geschafft hat, in diesem Preissegment Fuss zu fassen. Diese strategische und industrielle Cleverness könnte dem Chronographen im November den Sonderpreis «Aiguille d’Or» (Goldener Zeiger) am GPHG einbringen und ihm eine ruhige und lange Existenz sichern.

Der erfahrene Uhrmacher analysiert eine Uhr während einer Woche auf seinem Prüfstand, um den an technischen Details interessierten Lesern sein Fazit darzulegen.

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