Interview: Louis Ferla, CEO Vacheron Constantin

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Sie haben die Leitung von Vacheron Constantin zu einem schwierigen Zeitpunkt übernommen. Welche Prioritäten hatten Sie?

Im September 2016 trat ich meine Stelle als Managing Director Sales & Marketing bei Vacheron Constantin an, und am 1. April 2017 übernahm ich das Amt des CEO. Bei meinen Prioritäten waren mir Reflexion, Kundennähe und ein offenes Ohr für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders wichtig. Um den Wechsel an der Spitze dieser sehr schönen Marke einzuleiten, habe ich zusammen mit der Geschäftsleitung zahlreiche Filialen auf der ganzen Welt besucht und unsere Mitarbeiter, Kunden und Partner getroffen. Bei diesen Gesprächen haben wir eingehend über die Positionierung von Vacheron Constantin sowie die Merkmale und Qualitätsanmutung der Marke nachgedacht. Auch unsere Abteilung «Patrimoine» wurde vollständig überdacht, um ihr Potenzial für unsere stilistischen Recherchen im Rahmen unserer kreativen Entwicklung zu nutzen.

«Unsere Kunden sind jung und verlangen ein gutes Produkt, eine gute Serviceleistung und eine schöne Geschichte.»

Im Umfeld der Marke wird von einem internen Neubeginn gesprochen. Worauf ist dies Ihrer Meinung nach zurückzuführen?

Es ist Aufgabe des CEO, die Mitarbeiter hinter einer gemeinsamen Vision zu vereinen. Wir müssen versuchen, ein gemeinsames Projekt aufzubauen. Wenn die Teams erst einmal in ein Projekt eingebunden sind, werden sie es sich zu eigen machen. Vacheron Constantin positioniert sich als Garant der uhrmacherischen Exzellenz.

Was erwarten die Kunden heute von Vacheron Constantin?

Erstklassigkeit! Der Kunde, der eine unserer Boutiquen betritt und eine unserer Kreationen erwirbt, hat sich bewusst für Erstklassigkeit, Qualität und Service entschieden. Unsere bestehenden und zukünftigen Kunden sind ohne jeden Zweifel Kenner. Sie verlangen ein gutes Produkt, eine gute Serviceleistung und eine schöne Geschichte. Es handelt sich um vernetzte, relativ junge Menschen in den Vierzigern, die nach Informationen zu unserem Erbe, unseren Veredelungen und unseren Berufen suchen sowie den Wunsch haben, unsere Manufaktur zu besuchen. Wir freuen uns darüber, dass zwei unserer Uhren im Rahmen des GPHG 2017 in den Kategorien «Handwerkskunst» und «Herausragende Mechanik» selektioniert wurden. Jeder dieser Zeitmesser zeugt für sich vom Know-how und dem uhrmacherischen Fachwissen, das unseren Kunden am Herzen liegt.

Vacheron

Gehören dazu auch Sportuhren?

Vacheron Constantin bietet seit 40 Jahren Uhren, die im Zeichen der Casual-Eleganz stehen – ein bei unseren Kunden besonders gefragtes Segment. Sie erwarten, dass wir darin kreativ und innovativ sind und doch unseren Werten und unserer Identität treu bleiben. Der wahre Sammler möchte schlichte, sehr klassische Uhren, Modelle mit grossen Komplikationen sowie sportlichere Zeitmesser einer Insider-Marke besitzen, die er zu verschiedenen Anlässen tragen kann. Dazu gehört die Overseas.

Und Damenuhren?

Immer mehr Frauen gönnen sich selbst technisch anspruchsvolle Uhren und fragen während ihrer Entscheidungsfindung oft ihren Partner um Rat. Diese sind weiterhin wesentlich an der Entscheidung beteiligt und empfehlen Vacheron Constantin in deren Eigenschaft als Uhrenmanufaktur. Es ist folglich sinnvoll, auch Damenuhren anzubieten.

«Vacheron Constantin positioniert sich als Garant der uhrmacherischen Exzellenz.»

Wie stehen Sie zum Online-Verkauf von Uhren im Luxussegment?

Wie ich bereits sagte, ist die Anschaffung einer Vacheron Constantin eine bewusste Entscheidung und entspricht dem Wunsch, sich von einem Uhren- experten beraten zu lassen. Wir gehen davon aus, dass die Website eine Etappe in der Entscheidungsfindung darstellt. Wenn der Kunde sich für das Universum der Hohen Uhrmacherkunst interessiert, trifft er sich mit Sammlern, liest Artikel in der Fachpresse und begibt sich in eine Boutique. Für uns ist entscheidend, wie sich digitale Kanäle und traditionelle Vertriebsnetze ergänzen. Unser wichtigstes Ziel ist und bleibt es, dem Kunden die bestmögliche Erfahrung zu bieten. Wir sind dabei, alle unsere Preise ins Netz zu stellen, und werden bald einen Online-Shop eröffnen. Aber wir werden immer im Auge behalten, dass Nähe und Austausch eine Priorität beim Empfang und der Pflege unserer Kunden sind.

Brice Lechevalier ist Chefredakteur und Mitbegründer von GMT (2000) sowie Skippers (2001) und leitet WorldTempus seit der Integration in das Unternehmen GMT Publishing als Ko-Aktionär. 2012 entwickelte er die Geneva Watch Tour. Seit 2011 dient er als Berater des Grand Prix d’Horlogerie de Genève. Im Bereich des Segelsports zeichnet er seit 2003 für die Veröffentlichung der Zeitschrift der Socitété Nautique de Genève verantwortlich. Er ist ferner Mitbegründer des 2009 ins Leben gerufenen SUI Sailing Awards (offizieller Schweizer Segelpreis) sowie des 2015 erstmals durchgeführten Concours d’Elégance für Motorboote des Cannes Yachting Festival.

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