Ergonomie: die Regeln für Komfort

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Technique-Chatelain

Doppelfaltschliesse von CHÂTELAIN: die Schliesse für den vollendeten Tragekomfort

Der Entwurf jeder einzelnen Uhr erfordert eine genaue Überprüfung der optimalen Anpassungsfähigkeit an den menschlichen Körper. Diese Regeln der Ergonomie erfassen alle Bereiche der Uhrmacherei und entscheiden letztendlich über den Erfolg eines Modells.

Die Uhr ist ein Designobjekt und ein technischer Gegenstand, der in der Nacht, tagsüber, in den Ferien oder bei der Arbeit getragen, gelebt, gelesen und bedient wird. Sie kommt nicht ohne eine Studie der Ergonomie, der Anpassung an den Menschen, seine Bedürfnisse, Funktionsweisen, Proportionen und Mängel aus. Diese Vorgehensweise ist für ihren Erfolg ausschlaggebend.

BANDANSTÖSSE

Technique-APTechnique-Louis-VuittonDer wichtigste Berührungspunkt zwischen Mensch und Uhr ist das Armband. Es nimmt die grösste Fläche ein und ist in ständigem Kontakt mit der Haut. Von allen Lederarten vereint eine alle Vorteile: Cordovan. Das von Natur aus weiche und widerstandsfähige Leder ist das einzige, das von Nomos verwendet wird. Nun liegen austauschbare Armbänder enorm im Trend, aber die Befestigungen konnten mit dieser Entwicklung nicht mithalten. Hublot, Vacheron Constantin und Louis Vuitton haben daraufhin benutzerfreundliche Wechselsysteme entwickelt, mit denen die Armbänder über einen einfachen Fingerdruck und ohne Kratzer ausgetauscht werden können. Das Metallarmband ist noch anspruchsvoller. Es darf weder Haare einklemmen noch die Haut reizen, muss den Linien der Knochen entsprechen und fein gegliedert sein. Audemars Piguet hat hier nahezu die Perfektion erreicht. Die Innenseite des Armbands der Royal Oak ist glatt und weich, der Umfang eignet sich für alle Handgelenke, und die Endbearbeitung ist einfach vorbildhaft.

VOLUMEN

Technique-Richard-MilleIm Mittelpunkt steht das Gehäuse. Seine Harmonie wird weitgehend von den Proportionen des Werks bestimmt. Eine grosse Komplikation mit 42 mm Durchmesser und einer Höhe von 16 mm ähnelt einem Pflasterstein. Im Gegensatz dazu sieht eine ultradünne Uhr mit 5 mm Höhe und einem Durchmesser von 44 mm aus wie eine Untertasse. Über die Trageeigenschaften hinaus muss man sich Gedanken darüber machen, wie die Uhr auf dem Handgelenk aufliegt. Richard Mille hat das verstanden. Die häufig breiten und grosszügig bemessenen Uhren dieser Marke haben dank eines geschwungenen Profils, das sie perfekt tragbar macht, einen hervorragenden Sitz.

VORDERSEITE

Technique-TudorTechnique-PiagetNun zur Anzeige. Eine grosse Zifferblattöffnung ist von erstrangiger Bedeutung. Eine riesige Lünette und ein dicker Höhenring verringern den lesbaren Raum, was für ein Publikum von Nachteil ist, das bei zunehmendem Alter ziemlich weitsichtig ist. Weitere Details, die die Lesbarkeit behindern, sind zu viele Anzeigen, viel zu kräftige Typografien, wenig kontrastreiche Farben oder ungewünschte Spiegelungen. Kurz gesagt: Das Uhrendesign hat alle Hände voll zu tun, um klare Informationen liefern zu können. Das Nonplusultra sind und bleiben ein mattes, schwarzes Zifferblatt und weisse kräftige Zeiger.

IM HERZEN

Technique-H.MoserEine Etage tiefer benötigt auch das Werk Körperverständnis. Die Gangreserve gehört zu den ergonomischen Faktoren. Liegt sie über 72 Stunden, sind Rotationen innerhalb einer Kollektion möglich, ohne dass Uhrzeit und Datum neu eingestellt werden müssen. Dazu benötigen wir die Krone. In welcher Position befindet sie sich? Und wo ist das Datum? Zur Vermeidung solcher Fragen setzt Richard Mille einen Funktionswähler ein, und Moser hat eine Krone mit Double-Pull-Crown-Mechanismus entwickelt. Es spielt keine Rolle, wie stark man zieht, die Reihenfolge steht fest: Man landet notgedrungen zuerst bei der Position für die Uhrzeit und schliesslich beim Datum.

KRONE

Technique-Bulgari Technique-BovetDer Durchmesser der Krone muss mit dem Gehäuse, aber auch mit den Fingern in Einklang sein. Ist die Krone klein oder glatt, ist sie schwer zu fassen. Ist sie zu voluminös, reibt sie am Handgelenk. Auch hier mischt das Werk wieder mit: Wenn die Federhausfeder zu starr ist, schmerzen die Finger. Also entwickelte Bulgari das Kaliber BVL193 so, dass es leicht aufgezogen werden kann. Eine lange Gangreserve erfordert Dutzende von Umdrehungen. Bovet konzipierte daher ein kugelförmiges Differenzial, das den Aufzug der OttantaSei für 10 Tage Gangreserve beschleunigt und optimiert. Der Teufel liegt im Detail… der Erfolg einer Uhr aber auch.


PAULS POSITION

cadran-paul

Chefredakteur von WorldTempus.com

Die Ergonomie einer Uhr muss am Handgelenk getestet werden. Hat ein schönes Foto erst einmal Ihr Interesse geweckt, liegt es an Ihnen, die Uhr zu probieren. Wie schmiegt sie sich an Ihr Handgelenk? Sind da irgendwelche störenden Ecken oder Kanten, die Ihre Kleidung – oder schlimmer noch, Ihre Knochen (ja, das ist möglich!) – beschädigen könnten? Können Sie auch wirklich die Uhrzeit ablesen? Bei World- Tempus testen wir jedes Jahr den Tragekomfort verschiedener Uhren, um Ihnen zu helfen, bewusst zwischen den jüngsten Modellen entscheiden zu können. Die Frage der Lesbarkeit ist für mich am wichtigsten, da die Hauptaufgabe einer Uhr letztendlich darin liegt, die Zeit anzugeben. Beim Geschmack scheiden sich bekanntlich die Geister, beim Tragekomfort aber nicht.

Der Uhrenfachjournalist und regelmässige Korrespondent für WorldTempus.com schreibt unsere Rubrik Innovation in einem für alle verständlichen Stil.

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