Peter Stas: Präsident der Frédérique-Constant-Gruppe

Collage sans titre (5)

Sie haben im Februar mit der Hybrid Manufacture* Ihre erste Smartwatch mit Mechanikwerk vorgestellt. Warum in New York?

Ich sollte einen Vortrag über neue Technologien auf der Konferenz Moving Forward halten, an der Experten und Meinungsführer aus allen Hightech-Bereichen teilnahmen. Wir haben die Gelegenheit beim Schopf gepackt, um zu zeigen, wie Uhrmachertradition und neue Technologien kombiniert werden können. Ausserdem konnten wir bei dem Event den amerikanischen Schauspieler Mark Ruffalo begrüssen, dessen Interesse für Wissenschaft und Technologie oft in seinen Filmen hervorgehoben wird (Avengers, Iron Man, Die Unfassbaren usw.) und mit dem wir zusammenarbeiten. Er wohnt in New York und hat bei der offiziellen Lancierung der Hybrid Manufacture mitgewirkt.

Denken Sie, dass für mechanische Smartwatches ein grosses Potenzial besteht?

Sie sind in erster Linie die natürliche Fortsetzung unserer 2015 vorgestellten Horological SmartWatch. Das war die erste Swiss-Made- Smartwach, von der wir bereits 50 000 Exemplare verkaufen konnten und die 12 % des Umsatzes von Frédérique Constant (und über 20 % bei Alpina) ausmacht. Wir können das jetzt schon als Erfolg bezeichnen. Aber viele haben uns gefragt, inwiefern wir in der Lage wären, diese elektronischen Funktionen in eine Mechanikuhr zu integrieren. Wir haben zwei Jahre lang an dieser Lösung gearbeitet. Das erzielte Ergebnis untermauert einerseits unser Know-how, und andererseits freuen sich viele Smartwatch-Fans darauf, eine Smartwatch mit einem mechanischen Manufakturwerk zu tragen. Wir haben zunächst eine Fertigung von 3000 Uhren in vier verschiedenen Varianten gestartet – ein relativ bescheidenes Volumen, wenn man bedenkt, dass im Jahr 25 000 Exemplare aus unserer Kollektion Manufacture verkauft werden – und werden diese Menge entsprechend den Kundenreaktionen anpassen. Bezüglich der verschiedenen smarten Funktionen der Hybrid Manufacture wie Schlaferfassung oder Aktivitätsüberwachung werden wir ein gesundheitsbezogenes Coaching entwickeln, da dieses Thema immer mehr Menschen am Herzen liegt. Das bedeutet, dass die Uhr täglich getragen wird, nicht nur beim Sport, und dass es umso wichtiger ist, dass sie ein klassisches Design besitzt.

Haben Sie vor, diese Hybridtechnologie auch bei Alpina einzusetzen?

Im Moment noch nicht. Aber unser unabhängiges Unternehmen MMT, das die Smartwatch-Technologie – übrigens auch im Auftrag anderer Uhrenmarken – entwickelt hat, kann Marken, die ebenfalls Smartwatches mit ihren eigenen Kalibern präsentieren möchten, eine Integration des elektronischen Moduls in ihre eigenen Mechanikwerke anbieten. Damit werden deren Kunden unter anderem auch auf die Funktion Analyse des Kalibers zugreifen können, die Gang, Schwingungsweite und Abfallfehler des Werks erfasst. Diese Werte können mit der passenden App täglich auf dem Telefon abgerufen werden.

Welches waren für Sie die grössten Hindernisse, die Sie überwinden mussten?

In erster Linie musste die Magnetwirkung des elektronischen Teils der Uhr mithilfe einer Magnetfeldabschirmung beseitigt werden. Und schliesslich mussten die elektronischen Bestandteile auf engstem Raum untergebracht werden: patentiertes Antriebssystem, Bluetooth-Antenne, Beschleunigungsmesser (für die Aktivitäts- und Schlaferfassung), Mikroprozessor, Analysemodul und wiederaufladbare Batterie.

Welche Highlights erwarten Sie 2018 für Alpina und Frédérique Constant?

Zuallererst können beide Marken seit dem 1. Februar auf die tatkräftige Unterstützung unseres neuen Generaldirektors Niels Eggerding zählen, der bereits seit einem Jahr mit der Geschäftsleitung zusammenarbeitet. Zweitens schreitet der Bau unseres neuen Manufakturgebäudes sehr gut voran und wir rechnen damit, Anfang 2019 einziehen zu können. Drittens entwickeln wir unsere Produkte kontinuierlich weiter. Auch für die Marke Alpina. Sie konnte an der Baselworld eine Neuheit vorlegen, die mit einer Kampagne auf Kickstarter verbunden ist, um den gemeinschaftlichen Ansatz der AlpinerX zu unterstreichen. Wir möchten viele Bergfreunde in einer Art Clubatmosphäre, die den Wurzeln der von den Alpinisten gegründeten Marke treu bleibt, für dieses Modell begeistern.

Wird der Aufschwung in der Uhrenindustrie Ihrer Meinung nach andauern?

Im Top-Segment der Uhrmacherei haben zahlreiche Marken eine Grundlagenarbeit zur Marktbereinigung, Neuausrichtung der Fertigung und Anpassung an die aktuellen Branchenbedingungen geleistet und ich denke, dass dieser Aufschwung solide ist. Dagegen erscheint mir die Situation der Quarzuhren besorgniserregend. Die Verkaufszahlen nehmen immer weiter ab, und die Uhrenindus- trie sollte sich viel stärker darum kümmern. Für mich liegen die Gründe für diesen Absturz in der Steigerung des Absatzes der Apple Watch und insbesondere der Series 3, die sich einer immer grösseren Beliebtheit erfreut. Die Zahlen dafür werden nicht bekanntgegeben, aber ich schätze sie auf etwa 20 Millionen Exemplare im Jahr. Und die Nutzer beginnen zu sagen, dass sie damit zufrieden sind. Die Schweizer Uhrenindustrie verschliesst die Augen vor der Wahrheit und ist sich nicht über die reale Bedrohung dieses Phänomens im Klaren. Zumal der Schwerpunkt, den Apple auf die Gesundheit und die Wechselwirkung mit dem Wohlbefinden gelegt hat, die Kunden noch abhängiger von diesen Uhren machen wird.

Brice Lechevalier ist Chefredakteur und Mitbegründer von GMT (2000) sowie Skippers (2001) und leitet WorldTempus seit der Integration in das Unternehmen GMT Publishing als Ko-Aktionär. 2012 entwickelte er die Geneva Watch Tour. Seit 2011 dient er als Berater des Grand Prix d’Horlogerie de Genève. Im Bereich des Segelsports zeichnet er seit 2003 für die Veröffentlichung der Zeitschrift der Socitété Nautique de Genève verantwortlich. Er ist ferner Mitbegründer des 2009 ins Leben gerufenen SUI Sailing Awards (offizieller Schweizer Segelpreis) sowie des 2015 erstmals durchgeführten Concours d’Elégance für Motorboote des Cannes Yachting Festival.

Review overview
})(jQuery)