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GPHG und Dubai Watch Week schicken die Uhrmacherei auf Reisen

Als die Uhren das Monopol der Zeitanzeige verloren, mussten sie sich eine neue Daseinsberechtigung erfinden. Die existenzielle Funktion ist verschiedenartigen Attraktivitätsfaktoren gewichen. Gruppenzugehörigkeit, sozialer Status, Liebe zur Mechanik und zum Handwerk, attraktive Formensprache, technische Meisterleistung, Symbol für Innovation, Sinn für Leistung, Belohnung oder denkwürdiger Anlass, ja sogar Hang zu ostentativem Luxus oder impulsiver Selbstherrlichkeit: Gründe für den Erwerb einer Uhr gibt es glücklicherweise viele, und für das Verschenken noch mehr.

Es bleibt allerdings den Uhrenmarken überlassen, das Verlangen zu wecken, die Begehrlichkeiten zu stimulieren oder die emotionalen Mechanismen auszulösen, die zu einer Anschaffung führen. Treue Wegbegleiter bei dieser Entscheidungsfindung sind auch die Seiten von hochwertigen Magazinen wie GMT oder Spezialisten-Websites wie WorldTempus. Messen wie Baselworld oder SIHH wurden aus ebendiesem Grund aus der Taufe gehoben, während Highlights wie der Grand Prix d’Horlogerie de Genève und die Dubai Watch Week auf kulturelle Aspekte setzen und den letzten Baustein für die Förderung der Uhrenindustrie bilden. Der Grand Prix d’Horlogerie de Genève strahlt von der Calvin-Stadt in die ganze Welt hinaus, und die Dubai Watch Week verwandelt sich für eine Woche in die nahöstliche Botschaft der Schweizer Uhrmacherei.

GPHG-WANDERAUSSTELLUNG

Genau wie etwa ein Viertel der GPHG-Jury jedes Jahr erneuert wird, beschreitet die zwischen der Bekanntgabe der offiziellen Vorauswahl im September und der Preisverleihung im November stattfindende Roadshow Herbst für Herbst neue Wege. So wurden die 72 nominierten Uhren im vergangenen Jahr in Venedig, Hongkong, Singapur, Wien und im Jahr davor in Mailand und Taipeh ausgestellt, während der Jahrgang 2019 seinerseits bereits nach Sydney, Bangkok und Mexiko-Stadt (im Rahmen der renommierten regionalen Uhrenmesse SIAR) aufgebrochen ist, um sich nach der endgültigen Abstimmung nach Dubai zu begeben. Wie jedes Jahr wird die Ausstellung natürlich am längsten in Genf gastieren und vom 1. bis 14. November auch dieses Mal im Genfer Museum für Kunst und Geschichte zu sehen sein. Diese Schau ist in zweifacher Hinsicht sehenswert: zunächst einmal, weil zeitgleich die 60 Finalistenbilder der Watch Photo Awards (erster öffentlicher internationaler Uhrenfotowettbewerb als weitere Initiative zur Förderung der schönen Uhrmacherkunst) gezeigt werden, aber vor allem, weil hier herausragende Uhren aus nächster Nähe bewundert werden können. Die sechs von der Expertenjury in jeder der 14 GPHG-Kategorien auserwählten Uhren repräsentieren theoretisch den Olymp der Uhrmacherei. Jede einzelne ist ein Spektakel für sich. Einige von ihnen sind sehr rar. Sie sehen zu dürfen ist ein Privileg. Sie dürfen sogar berührt werden, denn sie werden ohne Vitrinen in Szene gesetzt. Der Kunsthandwerker Xavier Dietlin konzipierte zu diesem Zweck einen erstaunlich wirksamen, gesicherten Präsentationstisch. Die Preisverleihung im Théâtre du Léman wird am 7. November auf www.worldtempus.com live übertragen.

FACETTENREICHE PLATTFORM:
DUBAI WATCH WEEK

Die auf Initiative des prestigeträchtigen lokalen Einzelhändlers Ahmed Seddiqi & Sons gegründete Dubai Watch Week versteht sich vor allen Dingen als künstlerische und kulturelle Veranstaltung, die die schöpferischen Kräfte der Vertreter der Uhrenindustrie aller Grössen und praktisch aller Horizonte zusammenbringt. Menschliche Beziehungen werden grossgeschrieben, und auch die Geschäftsführer der Uhrenmarken nehmen an den Diskussionen mit Publikum und Experten teil. Auf dieser Messe begegnet man sowohl renommierten Handwerkskünstlern wie Philippe Dufour, die nur ein paar Dutzend Uhren im Jahr fertigen, als auch den CEOs bedeutender Luxusmarken. Aber es trifft zu, dass die «kleinen unabhängigen Marken» hier mit besonderem Wohlwollen behandelt werden. Dies ist jedoch keineswegs mit dem in diesem Jahr vielbeachteten Auftritt der Marke Rolex unvereinbar, die eigentlich sehr selten an solchen Veranstaltungen mit anderen Uhrenhäusern anzutreffen ist. Während dieser vierten Auflage werden etwa 30 Marken ihre Stände präsentieren und an Diskussionsforen teilnehmen. Die Dubai Watch Week (DWW) findet vom 20. bis 24. November im Dubai International Financial Center unter dem Motto Innovation und Technologie statt und würdigt die Schnittstelle von elementarem Denken und technischer Geschicklichkeit. Sie möchte die Uhrmacherei bekannt machen, ihre Werte näherbringen und die gigantische, hinter den Kulissen der Manufakturen geleistete Arbeit vor Augen führen, die in diesen winzigen Kunstwerken mündet (das erklärt auch Thierry Stern in seinem Interview zur Watch Art Grand Exhibition von Patek Philippe auf Seite 32). Neben den zahlreichen Erfahrungen rund um die Thematik Uhrmacherei können Besucher, Sammler oder Wissbegierige auf der Suche nach Neuem auch die GPHG-Ausstellung sowie das eigens für die DWW geschaffene Watch-Photo-Awards-Thema entdecken, über das sie abstimmen werden, um den Autor des besten Fotos zu küren. Zuletzt möchten wir daran erinnern, dass die Uhrmacherei 2012 als Kunst der Zeitmessung zur 12. Kunst ernannt wurde. Es lebe die Kunst!

Mehr dazu auf www.gphg.org, www.dubaiwatchweek.com,

www.worldtempus.com und www.watch-photo-awards.com

Brice Lechevalier ist Chefredakteur und Mitbegründer von GMT (2000) sowie Skippers (2001) und leitet WorldTempus seit der Integration in das Unternehmen GMT Publishing als Ko-Aktionär. 2012 entwickelte er die Geneva Watch Tour. Seit 2011 dient er als Berater des Grand Prix d’Horlogerie de Genève. Im Bereich des Segelsports zeichnet er seit 2003 für die Veröffentlichung der Zeitschrift der Socitété Nautique de Genève verantwortlich. Er ist ferner Mitbegründer des 2009 ins Leben gerufenen SUI Sailing Awards (offizieller Schweizer Segelpreis) sowie des 2015 erstmals durchgeführten Concours d’Elégance für Motorboote des Cannes Yachting Festival.

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